Papa, ich will nach Kreuzberg!

  • Von Florian Schmid
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Hassen die Kreuzberger Touristen? Derzeit wird viel darüber spekuliert, warum sich die Bewohner des Berliner Szenekiezes so sehr über auswärtige Besucher aufregen. Steckt da womöglich sogar Fremdenfeindlichkeit dahinter? Von wegen! In Wirklichkeit geht es hier um Gentrifizierung.

Punks, Hausbesetzer und linkes Szenevolk haben heute mit Kreuzberg so viel zu tun wie Heino mit der aktuellen Hitparade. Zwischen Kottbusser Tor und Schlesischer Straße begegnen mir immer mehr Töchter und Söhne des gehobenen Mittelstandes, die, das Näschen steil in die Luft gestreckt, ihre Subkulturzugehörigkeit wie im aufwändig produzierten Werbefilm vor sich hertragen: coole Sonnenbrillen, trendige 80er Jahre Klamotten, edle Markenfahrräder und Feinkost-Lebensmittel aus dem Biosupermarkt. Natürlich muss man sich diesen Traum des gehobenen Studentenlebens auch leisten können. Und so springt in der einen oder anderen Villa in München-Grünwald das Töchterchen des Verlegers oder des Patentanwalts aufgeregt von einem Fuß auf den anderen und ruft begeistert: »Papa, Papa! Ich will nach Kreuzberg!«

Nur, dort, im avantgardistischen Jenseits, versuche ic...


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