Kirche verliert Mitglieder und muss sparen

Evangelische Landessynode berät ab heute über Reformprogramm »Salz 2«

  • Von Yvonne Jennerjahn, epd
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Kirche schrumpft, und das gefällt ihr nicht. Gut 1,3 Millionen Mitglieder hatte die heutige Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vor zehn Jahren. Inzwischen sind es rund 200 000 weniger und die Gläubigen werden immer älter. Mit einem steigenden Anteil von Rentnern werden die Kirchensteuereinnahmen empfindlich sinken. Die Finanzprobleme drohen zum Dauerzustand zu werden und die eigentlichen Aufgaben, etwa die Seelsorge, zu überschatten. Um den Trend zu stoppen, hat sich die Landeskirche Reformen verordnet. Von heute an berät die Landessynode in Berlin über den Weg in die Zukunft.

Der Veränderungsprozess geht nun in die zweite Runde. »Salz der Erde« hieß das erste Konzept, das 2007 noch unter Bischof Wolfgang Huber entwickelt wurde. Die evangelische Kirche müsse inmitten religiöser Vielfalt »auf neue Weise sichtbar werden«, wurde dort festgeschrieben. Zugleich solle sie »verlässlich und traditionsbewusst« sein. Bildung, Jugendarbeit und die Qualifizierung von Mitarbeitern wurden zu zentralen Themen gemacht. Auch handfeste Ziele wurden benannt: Die Zahl der Gottesdienstbesucher soll auf zehn Prozent der Kirchenmitglieder steigen, gesellschaftliche Anlässe sollen verstärkt mit Andachten begleitet werden, die Zahl der Kinder an evangelischen Schulen soll verdoppelt, die der Teilnehmer am Religionsunterricht erhöht und die Kita-Betreuung für die unter Dreijährige ausgebaut werden.

Knapp vier Jahre später soll der bis 2020 laufende Reformprozess nun in die nächste Phase starten. »Salz der Erde – Reform ist möglich« lautet der Titel des neuen Programms, mit dem Bischof Markus Dröge die von seinem Vorgänger Huber eingeleiteten Reformen fortsetzen will – kirchenintern wird es kurz »Salz 2« genannt. Nun sollen konkrete Projekte entwickelt und Pilotgemeinden dafür gewonnen werden. Die kirchliche Arbeit auf dem Land soll gestärkt, die Zusammenarbeit mit anderen Religionen erweitert, neue Gemeinschaften außerhalb klassischer Kirchengemeinden und neue Formen sozialen Engagements sollen entwickelt werden.

Nicht alles muss neu erfunden werden, da ist sich der Bischof ganz sicher. »Einen neuen großen Umbauplan brauchen wir nicht«, betont Dröge. »Unsere Kirche ist reich gesegnet mit Reformpflänzchen.« Eine »Kultur des zielorientierten Arbeitens« möchte er bis 2020 in der Kirche verankern und die Zusammenarbeit kleiner Gemeinden fördern, damit Inhalte und nicht Haushaltslöcher die Arbeit bestimmen.

Fest steht vor allem eins: Es können schon längst nicht mehr alle kirchlichen Angebote an allen Orten aufrecht erhalten werden. Ständig muss gespart werden. Damit neue Ideen in der Kirche trotzdem zünden, sollen sie besser bekannt gemacht werden. So wie das Vorhaben, Konfirmandenunterricht an Ganztagsschulen anzubieten und kirchliche Jugendarbeit so in den Schulalltag zu integrieren.

»Wir wollen die Kirche attraktiver für Menschen machen, die eine Heimat suchen«, fasst Kirchensprecher Volker Jastrzembski das Konzept für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz zusammen, das sich an Plänen der Evangelischen Kirche in Deutschland orientiert. Nicht um neue Strukturen und Sparprogramme soll es dabei gehen, betont der Theologe. »Wir wollen Ausstrahlung nach außen entfalten, wir wollen lebendige Kirche für andere sein.« Eine Million Euro will die Landeskirche bis 2013 für den Reformprozess bereitstellen und unter anderem Fortbildungen und eine Projektleitung finanzieren.

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