Ein freundlicher »Versöhnler«

Der Historiker und Publizist Wolfgang Leonhard wird 90

  • Von Karlen Vesper
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Am Vortag seines 28. Geburtstages erschien im »Neuen Deutschland« auf Seite 2, versteckt, rechts unten, die lakonische Mitteilung: »Wolfgang Leonhard und Ilse Streblow sind wegen parteifeindlichen Verhaltens aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ausgeschlossen worden.« Die Exkommunizierung ward einen Monat nach dem Weggang der beiden aus der sowjetischen Besatzungszone kundgetan. Fortan erschien sein Name in den Spalten dieser Zeitung nicht mehr, es sei denn in ohnmächtig-polemischem Frust über seine Äußerungen in westdeutschen Medien, versehen mit den bekannten üblen Attributen.

Am 12. März 1949 war der junge Geschichtsdozent nicht zur anberaumten Vorlesung in der Parteihochschule »Karl Marx« in Klein-Machnow erschienen, um über den »falschen Dimitri« zu referieren. In eiskalter Nacht hatte der in Konspiration geschulte Absolvent der Komintern-Schule in Kuschnarenkowo (1942/43) sich heimlich mit der Freundin aufgemacht, l...


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