Salziges Trinkwasser durch die CO2-Verpressung

Gutachten: CCS-Technologie birgt Risiken für Menschen / Vattenfall: Reine Spekulation

  • Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.
Die CO2-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Dioxide Capture and Storage, kurz CCS) ist umstritten. Vor den negativen Auswirkungen wird nun in einem neuen Gutachten gewarnt.

Mit dem neuen Gesetzentwurf zur Kohlendioxidspeicherung können einzelne Länder die sogenannte CCS-Technologie für sich ausschließen. Da sich Brandenburg als einziges Bundesland für die Kohlendioxidspeicherung ausspricht, wird es wohl nur dort entsprechende Projekte geben. Eines ist bereits weit fortgeschritten: Der Energiekonzern Vattenfall erprobt seit 2008 in der Lausitzer »Schwarzen Pumpe« die Kohlendioxid-Abscheidung bei der Verbrennung von Braunkohle. Am Standort Jänschwalde will Vattenfall bis 2015 ein CCS-Demonstrationskraftwerk bauen und Kohlendioxid in den Regionen Beeskow und Neutrebbin unterirdisch verpressen. In Neutrebbin geht es um salzwasserführende Sandsteine in einer Tiefe von rund 1400 Metern. Dafür hat das Unternehmen im März 2010 die Erlaubnis des Brandenburgischen Landesamts für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) erhalten. Eine Speicherung von Kohlendioxid selbst ist damit noch nicht genehmigt.

Die Auswirkungen der unterirdischen Kohlendioxidspeicherung könnten über Brandenburg hinaus negative Auswirkungen haben. Einem geologischen Gutachten für die Gemeinde Barnim-Oderbruch zufolge muss wegen Überdrucks in den Gesteinsschichten in einem Umkreis von 100 Kilometern von der Injektionsbohrung mit Grundwasserversalzungen gerechnet werden. Das würde Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Polens sowie Berlin betreffen.

Der Geologe Ralf Krupp kommt nun in dem Gutachten zu dem Ergebnis, dass das Erkundungsgebiet zahlreiche Lücken in der Salzschicht aufweist. Dadurch sei fraglich, ob der Untergrund dicht genug sei, um das Kohlendioxid sicher zu speichern. Die Salzschicht sei darüber hinaus mit 20 Metern möglicherweise nicht ausreichend, um die geplanten Mengen an Kohlendioxid zu fassen.

Krupp fürchtet, dass durch den erhöhten Druck Salzwasser führende Schichten, die an das Grundwasser grenzen, sich mit diesem vermischen und das Trinkwasser versalzen. Besonders problematisch ist Krupp zufolge, dass das Salzwasser wahrscheinlich Schwermetalle mit sich führt. »Dies könnte für zahlreiche Wasserwerke eine akute Gefährdung darstellen«, schreibt der Geologe. »Die vorgesehene Erkundungstechnologie entspricht im Wesentlichen dem Stand der Technik, reicht aber zur zuverlässigen Beurteilung möglicher Risiken einer CO2-Verpressung nicht aus«, folgert Krupp und fordert daher weitere Studien auf Basis von Simulationen, bevor Kohlendioxid tatsächlich verpresst wird.

»Angaben, die zum jetzigen Zeitpunkt getroffen werden, haben rein spekulativen Charakter«, sagte Vattenfall-Sprecherin Katharina Bloemer. Richtig sei, dass die Injektion von CO2 zu einer Druckerhöhung im Speicher und einer Verdrängung von Salzwasser führt, die auch über die Struktur, in der das CO2 eingeschlossen ist, reichen kann. Die Reichweite der Druckerhöhung sei aber von einer Vielzahl technischer Größen und von natürlichen Faktoren abhängig. Belastbare Aussagen zur Reichweite seien daher bisher nicht möglich. Zunächst sei eine geologische Erkundung erforderlich.

Die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft hält die Aussagen von Ralf Krupp dagegen für nachvollziehbar. »Das klingt sehr plausibel«, sagte Geschäftsführerin Christa Hecht. Das Problem: Man weiß nicht, wie die Grundwasserleiter miteinander verbunden sind, und daher ist schwer abschätzbar, wie weit sich der Druck auswirkt.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland sieht nicht nur Brandenburg, sondern auch die Landesregierungen der angrenzenden Bundesländer in der Verantwortung. Energieexperte Robert Pörschmann: »Die Entscheidung für CCS betrifft nicht nur die Länderfürsten wie Platzeck (Brandenburg) oder Mc Allister (Niedersachsen), sondern auch die regierenden Bürgermeister Wowereit, Scholz und Ude und die Bevölkerung in Berlin, Hamburg und München.«

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