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In den Kulissen

Armer Haufen

Im parlamentarischen Herzen der Hauptstadt geht der ND-Klau um, wie diese Zeitung zuverlässig erfuhr. Nicht irgendwo, sondern im Bundestag, Kiez der LINKEN. »...bereits den zweiten Tag hintereinander«, klagte die Mitarbeiterin eines Abgeordneten, habe sich »offenbar jemand unseres abonnierten ND ›angenommen‹«. Aus anderen Büros verlautbarten Trauer, Zorn und Spott – auch Empfehlungen an die Konkurrenz. Das Büro Ernst glaubte versichern zu müssen, es habe eigene Zeitungen. Nicht ganz als Scherz ging die Verlustmeldung durch, dass auch der Londoner Daily Mirror abhanden gekommen sei – insbesondere die Ausgabe mit der königlichen Hochzeit.

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Politik eine bierernste Angelegenheit? Keineswegs. Humor bewies die Abgeordnete Anja Kofbringer (Grüne) mit ihrer Kleinen Anfrage. Titel: »Lesbische Bauchtanztruppen oder mehr Polizei, spielt der Senat mit unserer Sicherheit?« Frage 1: »Stimmt die Feststellung des Vorsitzenden des Rechtsausschusses Wolfgang Gram (CDU), dass in zunehmendem Maße lesbische Bauchtanzgruppen aus dem Polizeietat finanziert werden?« Antwort von Innensenator Körting: »Nein.« Und das war’s auch schon. Die Antworten auf die Fragen 2 bis 7 nämlich entfallen. Das finden Sie schräg? Wie schräg muss dann erst das gewesen sein, was CDU-Mann Gram (vermutlich ganz ernst gemeint) von sich gab?

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Berlin und seine Hundehaufen. Ein leidiges Thema. Vor einigen Jahren war es en vogue, den verhassten Hundekot mit Deutschlandfähnchen vom kalten Buffet zu schmücken. Armer Haufen. Hat er das wirklich verdient? Eine Berliner Kampagne hat sich nun ein Herz gefasst und bestückt liegen gelassenen Kot mit der Botschaft »Haufen sucht Herrchen«. »55 Tonnen herrenlose Scheiße landen jeden Tag auf Berlins Straßen«, erklärt die Kampagnenseite. »Das heißt über 20 000 Tonnen einsame Scheiße im Jahr.« Großherzige Berlinerinnen und Berliner stecken seither fleißig Haufen-sucht-Herrchen-Fähnchen. Vor wenigen Tagen dann die erste Erfolgmeldung: »5700 Fähnchen gesteckt!« Weiter so! Bald findet jeder Haufen zu seinem Herrchen.

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