Braune Bären, dick und flink

GARTENTIERE: Nachtschwärmer und Spinner sind unterwegs

  • Von Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe
  • Lesedauer: 3 Min.

Außer Eulenfaltern und Spannern gibt es weitere Nachtfalter (einige sind auch tagaktiv) von beachtlicher Größe. Ihre Artenzahl ist gering, trotzdem sind sie weniger einheitlich, so dass sie in verschiedene Familien eingeordnet werden. Allgemeingültiges kann man kaum über sie sagen, statt dessen mögen einige Beispiele genügen.

Da sind zunächst die Schwärmer, deren schlanke Flügel an Flugzeuge erinnern. Bei hoher Schlagfrequenz können sie die Blüten mit ihrem langen Rüssel im Rüttelflug auf der Stelle ausbeuten. Sie finden das spärliche nächtliche Nektarangebot in Blüten mit tiefen Kelchen, die ihre spezialisierten Bestäuber mit starkem Duft anlocken. Das gilt namentlich für das oft angepflanzte Duftende Geißblatt (Heckenkirsche); eine Schwärmerblume ist auch die Gewöhnliche Nachtkerze.

Ein durch Tagaktivität und geringe Größe untypischer Schwärmer ist das Taubenschwänzchen. Südlich der Alpen war es schon immer häufig, tritt aber zunehmend selbst in kühleren Gegenden Deutschlands auf, wo es nicht selten auf Balkonen blühende Petunien besucht. Im Frühjahr und Frühsommer handelt es sich bei dieser Art hauptsächlich um aus dem Süden zugewanderte Falter, deren Nachkommen sich an Labkraut entwickeln.

Schon lange habe ich keine Raupen des Ligusterschwärmers mehr gesehen, obwohl es für sie reichlich Nahrung gäbe, denn sie fressen auch an Flieder und Forsythie. In meiner lange zurück liegenden Greifswalder Zeit gab es sie in Massen, und die meisten dortigen Kinder hielten sie, offenbar von ihren Eltern gewarnt, für giftig. Die stattlichen und selbstverständlich harmlosen Tiere sind grün und mit blau-weißen Schrägstrichen auf den Flanken der Hinterleibssegmente verziert. Als Schwärmerraupen sind sie am Horn des Hinterendes zu erkennen, das nur wenigen Arten fehlt.

Merkwürdigerweise gehören zu den überwiegend eintönig gefärbten Nachtfaltern auch solche, die an Buntheit sogar die Tagfalter übertreffen. Es handelt sich um die Bären, von denen der dickleibige Braune Bär (Foto: dpa) nicht selten in Gärten auftritt. Dort trifft man noch häufiger auf seine an allen möglichen Pflanzen fressenden Raupen, die vor allem dann auffallen, wenn sie auf der Suche nach einem für die Puppenruhe geeigneten Versteck flink unseren Weg kreuzen. Ihre dichte und lange Behaarung war vielleicht Anlass zur Benennung der Gruppe. Dem aus kantigen braunen Flecken bestehenden Muster der Vorderflügel stehen mit großen schwarzen Tupfen versehene Hinterflügel gegenüber. Von ähnlicher Buntheit sind auch andere Bären, die aber kaum im Garten zu erwarten sind.

Zu den Schadspinnern gehören so wichtige Gehölzschädlinge wie der Goldafter und die Nonne, letztere gab es ausnahmsweise auch einmal in unserem Garten. Nicht selten ist dagegen der Schlehenspinner oder Bürstenbinder anzutreffen, der an allen möglichen Laubgehölzen frisst, teilweise auch an Rosen. Die kaum mehr als zehn Millimeter großen Männchen sind schlicht braun und an einem weißen Fleck auf den Vorderflügeln kenntlich. Die pelzig behaarten, dicken Weibchen haben nur kleine Flügelstummel. Ohne Nahrung aufzunehmen produzieren sie eine ansehnliche Zahl von Eiern. Bürstenbinder heißt der Falter wegen der gelben, mehr an Rasierpinsel als an Bürsten erinnernden Haarbüschel auf dem Rücken der Raupen.

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