Einzug der ungeliebten Kandidaten

Das neue Bremer Wahlrecht wirbelt die Bürgerschaftsfraktionen durcheinander

  • Von Andreas Holling
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Bis zu fünf Stimmen konnte jeder Bremer bei der Bürgerschaftswahl am 22. Mai vergeben – verteilt auf Kandidaten oder Parteien. Eine demokratische Idee, die manch einem Parteistrategen inzwischen jedoch nicht mehr gefallen wird. Denn vom Wähler nominiert, tauchen plötzlich ungeliebte und entsorgt geglaubte Kandidaten wieder im Parlament auf.

Ein »Opfer« des neuen Wahlverfahrens war die SPD. Ihr populärer Spitzenkandidat ließ die Personenstimmen förmlich explodieren. Mehr als die Hälfte ihrer knapp 440 000 Stimmen entfielen direkt auf die Kandidaten, davon allein 140 000 auf Bürgermeister Jens Böhrnsen. Da die Mandate anteilig vergeben werden, ziehen nun ebenso viele Kandidaten über die Personenstimmen wie über die Landesliste ins Parlament ein.

Gewinner sind dabei vor allem Bewerber, die über eine treue Anhängerschaft oder ein eng verknüpftes soziales Umfeld verfügen, zum Beispiel Elombo Bolayela. Der 45-jährige Fachverkäufer startete von Platz 40 der Liste und konnte sich am Wahlabend über fast 3200 Personenstimmen freuen – Rang sechs. Damit liegt der einzige schwarze Bewerber der SPD noch deutlich vor alt gedienten Genossen wie seinem Fraktionschef oder der Bildun...


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