Stich aus Überzeugung

Prozessauftakt um Tod von Kamal K. – Nebenklage sieht Nazi-Mord

  • Von Hendrik Lasch, Leipzig
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Im Oktober 2010 wurde in Leipzig ein 19-jährige Iraker erstochen. Obwohl die Täter überzeugte Nazis sind, geht die Anklage nur von einer Prügelei aus, die übel endete. Die Familie indes glaubt, dass die Angreifer aus rechter Überzeugung zustachen.

Markus E. ist wohl kein Mann von vielen Worten. Die Antworten des 33-Jährigen auf Fragen von Richter Hans Jagenlauf zu Geburtsdatum oder Beruf sind kaum zu verstehen, was nicht nur an der miesen Akustik in Saal 115 des Landgerichts Leipzig liegt. E., ein über und über tätowierter Glatzkopf mit üppigem Backenbart und viel Metall im Gesicht, nuschelt in das Mikrofon. Dass er arbeitslos ist und wo er vor der U-Haft lebte, aus der er von Justizbeamten in Handschellen gebracht wird, ist in den Zuschauerreihen kaum zu hören.

Womöglich hat E. auch in jener Nacht des 24. Oktober nicht viele Worte gemacht, als er im Bürgermeister-Müller-Park am Leipziger Hauptbahnhof auf Kamal K. traf. Jedenfalls ist vorerst nicht überliefert, dass er diesen wegen seiner irakischen Herkunft beschimpfte. Allerdings hätten E. und sein Begleiter, der vier Jahre jüngere Daniel K., »ohne erkennbaren Grund Streit gesucht«, sagt Staatsanwältin Katrin Minkus. Die b...


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