Der Traum von einer anderen Welt

Man sollte den Gipfelprotesten nicht nachtrauern – es gibt gute Gründe, sich weniger auf Großereignisse zu konzentrieren

  • Von Friederike Habermann
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Zehn Jahre nach den Großdemonstrationen gegen den G8-Gipfel in Italien ist es ruhig geworden um die globalen Gipfel. Das als Schwäche der Bewegung zu sehen, wäre aber verkürzt.

Als »chilenische Nacht« gingen die Stunden vom 21. auf den 22. Juli 2001 in Genua in die Geschichte ein. Die italienische Polizei stürmte zwei Schulen, und schlug auf Schlafende ein, dass Boden und Wände am nächsten Tag rot von Blut waren. In den Krankenhäusern wurde weitergeprügelt, in den Gefängnissen sowieso. Auch im schwedischen Göteborg bei den Protesten gegen den EU-Gipfel gut einen Monat zuvor war bereits scharf geschossen und waren mehrere Demonstranten getroffen worden, zum Teil lebensgefährlich.

Die Erschießung eines Demonstranten, der brutale Überfall auf Schlafende, die Folter in italienischen Gefängnissen hatten ein Ziel: Es sollte für Aktivisten unberechenbar werden, wann Situationen für sie gefährlich werden. Selbst die Teilnahme an einer Mahnwache sollte zum Sicherheitsrisiko werden. Für viele blieb Genua ihre letzte politische Aktion, das Trauma unüberwindbar. Doch neben der Abschreckung gab es noch einen weiteren E...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.