Deutschlandhalle wird gesprengt
Neues Mehrzweckgebäude für 65 Millionen Euro soll bis 2013 auf dem Gelände entstehen
Der Countdown läuft. An diesem Sonnabend zwischen 9.30 Uhr und 10 Uhr will der Sprengmeister in Aktion treten. Dann soll das Dach der Deutschlandhalle in Berlin-Charlottenburg gesprengt werden. Die dafür nötigen explosiven Kapseln wurden bereits in den vergangenen Wochen Stück für Stück in der Dachkonstruktion der Halle angebracht.
Besonders spektakulär wird die Sprengung indes nichts ausfallen. Denn geht alles so, wie vom Sprengmeister geplant, sollen die Außenwände des nationalsozialistischen Prestigebaus, der für die Olympischen Sommerspiele 1936 errichtet worden war, stehen bleiben. Es wird jedoch mit einer riesigen Staubwolke gerechnet. Die Überreste der Halle sollen dann in den kommenden Wochen mit Baggern und Abrissbirnen abgetragen werden. Für Schaulustige gibt es an diesem Sonnabend keine Möglichkeit, die Explosion live mitzuverfolgen. Das Gebiet rund um die Halle wird durch die Polizei weiträumig abgesperrt, der nahe gelegene Funkturm bleibt für Besucher geschlossen.
»Für die Messe ist das der Startschuss in die Zukunft«, erklärte ein Sprecher der Berliner Messe. Der landeseigene Betrieb will an der Stelle der Deutschlandhalle ein neues Mehrzweckgebäude bauen, das sowohl für Messen als auch Kongresse nutzbar ist. Bis 2013 soll der Neubau, der rund 65 Millionen Euro kosten wird, fertig sein. Der zweigeschossige Neubau soll dann zudem dazu dienen, im Jahr 2014 die Zeit zu überbrücken, bis das asbestbelastete Internationale Congress Centrum (ICC) in unmittelbarer Nachbarschaft saniert ist.
Gegen den Abriss der Deutschlandhalle hatte sich der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf aus Gründen des Denkmalschutzes lange gewehrt, letztlich konnte sich aber der damalige rot-rote Senat durchsetzen.
Vielen Berlinern wird die Halle sicher als Schauplatz legendärer Konzerte der Rolling Stones bis Queen in Erinnerung bleiben. Zugleich wird ein Gebäude abgetragen, das die Nazis für ihre Massenveranstaltungen gebaut hatten.
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