So eine Demo jeden Tag

Zug von 1000 Teilnehmern gegen Rassismus und für Solidarität mit den Opfern

Farzad Farkhooi mit der offiziellen Brille und Gedenken den Opfern
Farzad Farkhooi mit der offiziellen Brille und Gedenken den Opfern

Politik und Staatsgewalt, die auf dem rechten Auge blind sind, symbolisiert Farzad Farkhooi an diesem Samstagmittag auf der Demonstration gegen Rassismus. Der 31-jährige Iraner, Wissenschaftler an der Freien Universität, hat sich eine große Brille gebastelt. »Rassismus ist überall«, klagt er. Schon die Bezeichnung der Bluttaten gegen Mitbürger als »Döner-Morde« sei diskriminierend. Der Opfer rassistischen und rechtsextremen Terrors gedenken in der ersten Reihe Demonstranten in weißen T-Shirts mit Porträts der Ermordeten und der Aufschrift »Rassismus mordet«. Auf dem Rücken ist zu lesen: »Genug geschwiegen geduldet gedeckt«. Am Ziel des Zuges der laut Veranstalter bis zu 1000 Demonstranten vom Marx-Engels-Forum bis zum Brandenburger Tor nehmen sie noch einmal Aufstellung – ein Symbol der Solidarität weit über Berlin hinaus.


Mbolo Yufanyi mit der »Voice«
Mbolo Yufanyi mit der »Voice«

In den Fluren der Verwaltungen herrsche institutioneller Rassismus, und alltäglicher Rassismus drücke sich in Sprache und Denkstrukturen aus, erklärte das mit Dutzenden Körperschaften als Mitgliedern weit gefächerte Bündnis gegen Rassismus. Die Wurzeln des Rassismus seien »tief in den Köpfen verankert«. Er sei auch kein Problem einer kleinen Randgruppe. Unter Hinweis auf diesen Tag der Menschenrechte betont Katrin Lompscher von der Linkspartei, dass das, was in Deutschland unter den Augen und dem Mittun staatlicher Institutionen passiert sei, ein Ende haben muss. Wie in Berlin müssten überall die V-Leute abgeschaltet werden. Dann könne ein Verbot der NPD erfolgen.


»So eine Demonstration war längst fällig«, sagte Mbolo Yufanyi. Der 37-jährige Doktorand an der Universität Göttigen hält an jedem Tag eine solche Demonstration für nötig: »Es gibt ja auch jeden Tag Rassismus.« Er verteilt die erste Ausgabe der Flüchtlings- und MigrantInnenzeitung »The Voice«. Sie soll als Zeitung des Netzwerkes KARAWANE künftig vierteljährlich erscheinen.


Die mehrstündige Manifestation verläuft friedlich. Peter Schrott von der Berliner Gruppe für Grundrechte und Demokratie hatte als inoffizieller Beobachter also nicht vergebens erwartet, dass die Staatsorgane diese Demo einmal »ganz normal geschehen lassen«.

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