Eine harmonische Gesellschaft

Henry Kissinger über China zwischen Tradition und Moderne

  • Von Wolfgang Triebel
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Er ist zweifellos ein exzellenter Kenner der Vergangenheit und Gegenwart Chinas. Henry Kissinger ist zudem ein aufmerksamer Berobachter internationaler Geschehnisse. Der US-amerikanische Fachmann für Außenpolitik hat nun eine voluminöses Buch über das aufstrebende »Reich der Mitte« geschrieben, das Beachtung verdient.

Das beeindruckende Panorama von Shanghai

In den ersten drei Kapiteln blickt der Diplomat in die Geschichte zurück, untersucht u. a. die Strategie des kaiserlichen Mandarins Wei Yuan (1794- 1856), der im Opiumkrieg von 1840 von der Diplomatie »der Europäer um ein Gleichgewicht der Kräfte« auf seine Weise lernte. Er empfahl, »raffgierigen Staaten Konzessionen zu gewähren« und sie »an der Beute zu beteiligen«. Diese Taktik nannte er, »Barbaren gegen Barbaren einzusetzen«. Die Kolonialmächte sollten sich gegenseitig bekämpfen. Kissinger attestiert Chinas Beamten, gegenüber Ausländern stets ein »unerschütterliches Selbstbewusstsein« gezeigt zu haben.

Schwerpunkt des Buches ist Chinas auswärtige Politik unter Mao Zedong. Kissinger schreibt: »Mao Zedongs Sieg war in Washington mit Bestürzung aufgenommen worden und hatte eine Debatte darüber ausgelöst, wer für den ›Verlust‹ Chinas verantwortlich sei.« Peking wiederum argwöhnte, Washington könnte diesen »Verlust« rückgängig zu mach...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.