Thomas Oberender: Auch der Himmel ist nicht frei

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.
Pressend geordnete Welt: als stünde noch vorm offnen Meer eine Ampel.

Aus der mechanischen Physik ist die befriedigende Auskunft bekannt, etwas habe Spiel. »Dass etwas Spiel hat, bedeutet dem Wortsinn nach, dass es sich bewegen kann und ist eine der Grundbedingungen für das Theater als Kunst und freiheitliche Lebensform.«

So hat es Thomas Oberender notiert, in einem seiner schönsten Essays, »Das Sehen sehen. Über Botho Strauß und Gerhard Richter«. Das Spiel als Bewegung in Gegenden, wo die Versuchung zu Hause ist, also jene Abrückung von Gesetztem und pressend Geordnetem. Das Ohr hört hinter die Töne; der Blick schaut durchs Geschehende hindurch; das Spiel als Konsequenz aus jener Wahrheit, dass der Mensch das ausweglose Wesen ist - das aus sich selbst etwas anderes machen, das sich und anderen etwas vormachen muss, um besagte Ausweglosigkeit zu ertragen. Wenn Dasein heißt, immer in irgend eine Falle zu gehen, dann heißt das auch, die Falle frech als Welt zu bewohnen - »Fallensteller« nannte Diderot...


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