Erst der Kuss, dann die Arznei

Interkulturelle Dienste kümmern sich um die wachsende Zahl pflegebedürftiger Einwanderer

  • Von Sebastian Stoll, epd
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Pflegedienste für Migranten, die sich nach speziellen Bedürfnissen ihrer Klienten richten, sind noch selten. 140 Kunden hat der Stuttgarter Anbieter »Interkultureller Pflegedienst Can«, der vor allem eins will: Heimische Gefühle erzeugen.

Wenn Zeycan Celebi (48) einen Klienten zu Hause besucht, zieht sie immer erst die Schuhe aus. Danach küsst sie ihm die Wangen, wie man das in der Türkei macht, wenn man einen Bekannten begrüßt, anschließend hält sie einen Schwatz - auf Türkisch. »Wenn Türken sich besuchen, herrscht menschliche Wärme. Darauf achten auch wir«, sagt sie.

So lasse sich die Pflege leichter aushalten, finden Nebayat Gül (68) und ihr Mann Ramazan (71), den Celebi regelmäßig pflegt. »Bei einem Deutschen hätten wir Angst, dass er die Schuhe nicht auszieht. Außerdem haben wir Probleme mit der Sprache«, sagt sie - und Celebi übersetzt.

Celebi ist Angestellte beim »Interkulturellen Pflegedienst Can« in Stuttgart. Zwar werden auch hier pflegebedürftige Menschen gewaschen und angezogen, aber Mitarbeiter und Klienten sind zum allergrößten Teil Menschen mit Migrationshintergrund. Die meisten der zehn Angestellten und 140 Kunden stammen aus der Türkei, aber auc...


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