Senioren ohne Telefon

Kein Anschluss unter dieser Nummer. Das Festnetztelefon der besetzten Seniorenfreizeitstätte in der Stillen Straße 10 in Pankow ist seit Dienstagmorgen nicht mehr erreichbar. »Der Störungsdienst hat uns auf Nachfrage mitgeteilt, dass unser Telefon abgemeldet wurde und die Nummer nicht mehr existiert«, erklärt Margret Pollack, eine der Besetzerinnen. Sie befürchtet, dass dies nur die erste von weiteren Schikanen seitens des Bezirksamts sein wird. »Die wollen uns hier rausdrängen. Als nächstes stellen die uns noch Strom und Wasser ab«, mutmaßt die Ruheständlerin.

Der am Montag aus dem Urlaub zurückgekehrte Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. »Das Verhalten des Bürgermeisters ist unmöglich. Wenn der Bezirk wirklich auf Verhandlungen setzt, muss er auch den Dialog suchen. Einfach das Telefon abzuschalten, ist das völlig falsche Signal«, erklärt ein Unterstützer der Besetzung im Haus.

Bezirksbürgermeister Köhne hat sich bislang noch nicht öffentlich zu dem Konflikt um die Seniorenfreizeitstätte geäußert. Die Besetzer hatten sich von dem Politiker eine Stellungnahme zu den vom Bezirk geschätzten Sanierungskosten erhofft. Der Bezirk begründet den geplanten Verkauf der landeseigenen Villa mit zu hohen Instandsetzungsaufwendungen. Jedoch hatte am vergangenen Wochenende ein unabhängiger Architekt die notwendigen Kosten deutlich geringer als der Bezirk eingeschätzt. Die zuständige Bezirksstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) hält weiterhin an der Grobkostenschätzung des Bezirks fest. »Ein Architekt kann mir ja viel erzählen. Ich lasse mir jedenfalls nicht mangelnden politischen Willen vorwerfen«, erklärte die Bezirkspolitikerin.

Die Besetzer geben sich trotz der Telefonabschaltung weiterhin kämpferisch. Für die nächsten Tage ist eine Vollversammlung mit Unterstützern und anderen von Schließung bedrohten Einrichtungen geplant. Die Begegnungsstätte wird seit dem 29. Juni aus Protest gegen die drohende Schließung von ihren Nutzern besetzt gehalten.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal