Wie Thomas R. verschwand

Verfassungsschutz und BKA »radierten« in Polizeierkenntnissen zur Kameradschaftsszene

  • Von René Heilig
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Wer ist »Corelli«? Vieles spricht dafür, dass es sich bei dem V-Mann des Bundesamtes für Verfassungsschutz um den Neonazi Thomas R. aus Sachsen-Anhalt handelt. Der wurde zwischen 1997 und 2007 geführt und hatte sowohl Kontakt zu dem NSU-Trio wie zu Strukturen der verbotenen militanten Blood&Honour-Bande und zum Ku-Klux-Klan. Das Bundesamt für Verfassungsschutz dementiert nicht, behauptet nur, man habe »zu keiner Zeit einen nachrichtendienstlichen Zugang zum NSU« gehabt. »nd« liegen nun Dokumente vor, die zeigen, wie der Geheimdienst im Verein mit dem Bundeskriminalamt Nazi-Aktivitäten verschleierte. Unter anderem ließ man Thomas R. »verschwinden«.

Es war um die Jahrtausendwende, da schwante den Sicherheitsbehörden, dass sich etwas veränderte im Bereich Rechtsextremismus. Man schrieb das unter anderem eigenem Handeln zu, denn - so liest man in einem geheimen Papier von Sicherheitsbehörden des Bundes - Vereinsverbote »zwangen die rechtsextremistische Szene zur Entwicklung von Organisationskonzepten, die auf die Bildung eines Netzwerkes überwiegend strukturloser lokaler Gruppierungen - sogenannter Kameradschaften - abzielten«.

Einiges von dem, was die gemeinsame »Projektgruppe Kameradschaften« des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) und des Bundeskriminalamtes (BKA) bis zum Juli 2003 zusammengetragen haben, lässt auch heute noch den Eindruck entstehen, dass man sich durchaus möglicher Gefahren bewusst war. Um so befremdlicher, wie zielgerichtet man Erkenntnisse aus der militanten rechtsextremistischen Szene löschte oder bewusst falsch bewertete. Beispiel Thomas R., der im ...


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