Friedensfahrten nach Bagdad

USA-Kirchen und nun auch eine Delegation aus Tübingen protestieren vor Ort

  • Von Aus Bagdad berichtet Peter Nowak
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

In Bagdad geben sich Friedensdelegationen aus mehreren Ländern die Klinke in die Hand. Mit einer 10-köpfigen Gruppe ist gestern auch der Liedermacher Konstantin Wecker nach Bagdad aufgebrochen.

No War - No Sanktions« lauteten die zentralen Parolen auf den Transparenten. Solche Slogans gegen den drohenden USA-Angriff auf Irak sind in diesen Tagen in vielen Teilen der Welt zu hören. Trotzdem war die Antikriegsdemonstration am 2. Januar eine Premiere. Sie fand nämlich vor dem UNO-Hauptquartier in Bagdad statt. Die ca. 200 Teilnehmer setzten sich aus Teilnehmern von zwei Solidaritätsdelegationen zusammen, die um die Jahreswende in den Irak gefahren waren, um auf diese Weise ihren Widerstand gegen den scheinbar unabwendbaren Krieg zu dokumentieren. Die internationale Zusammensetzung wurde beim Skandieren der Parolen deutlich. Auf Spanisch, Italienisch, Englisch, Japanisch, Deutsch, Französisch und Türkisch wurde der Widerstand gegen Krieg und Embargo ausgedrückt. Die Vereinten Nationen wurden aufgefordert, »in keiner Weise legale und politische Unterstützung für den von Großbritannien und den USA vorbereiteten Krieg« zu leisten. Der beabsichtigte Angriff diene einzig der »Besetzung des Irak« und widerspreche dem Völkerrecht, hieß es in einer Erklärung. Außerdem wurden die Vereinten Nationen aufgefordert, die Sanktionen umgehend zu beenden, die einen »unerklärten Vernichtungskrieg gegen Irak« darstellten. Initiiert wurde diese unter großer Anteilnahme der hiesigen Medien durchgeführte Aktion von zwei antiimperialistisch ausgerichteten Irak-Delegationen. Doch der politische Hintergrund der Irak-Reisenden in Sachen Frieden ist in diesen Tagen sehr unterschiedlich. Ebenfalls um die Jahreswende befand sich eine vom Nationalrat der USA-Kirchen organisierte Delegation mit 13 Teilnehmern in Bagdad. Ihr erklärtes Ziel war die Änderung der öffentlichen Meinung in den USA. »Wir wollen die Stimmen der Iraker aus den Krankenhäusern, aus den Schulen, von den Märkten und Straßen und nicht zuletzt auch von den Kirchenvertretern, mit denen wir gesprochen haben, in die USA zurücktragen«, erklärte Delegationsteilnehmer Dr. Victor Makari in einem Interview. In den nächsten Tagen werden weitere Delegationen in Irak erwartet. Bereits gestern startete eine von der Tübinger Gesellschaft Kultur des Friedens organisierte Gruppe, darunter auch der bekannte Liedermacher Konstantin Wecker. Er unterstütze mit seiner Anti-Kriegsaktion die Menschen, nicht das Regime von Saddam Hussein, erklärte der Künstler in einem Interview. Weitere Delegationen aus Europa und den USA sollen in den nächsten Wochen unter dem Motto »Stoppt den Krieg, bevor er beginnt« starten. Mehrere Antikriegsinitiativen, wie die US-amerikanische Gruppe Voices of the Wilderness, haben schon angekündigt, auch nach Beginn eines USA-Angriffes Irak nicht zu verlassen. Die Pazifisten wollen auch dann über die Zustände vor Ort berichten und sich nicht auf die CNN-Bilder verlassen. Dort waren während des letzten Irakkriegs 1991 vor allem Lichtblitze über irakischen Städten, a...

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