Warum starb John Williams?

Mysteriöser Tod eines Flüchtlings

In einem Pflegeheim starb im April ein Asylbewerber. Seine Freunde und sein Rechtsanwalt haben erst vor kurzem davon erfahren. In einem Offenen Brief stellen sie kritische Fragen.

Kaum jemand kannte zu Lebzeiten John Williams. Über sein Leben sind nur Bruchstücke bekannt. Sicher ist nur, dass der über 50-jährige John Williams aus Afrika stammte und im Sommer 2002 in das Abschiebezentrum Halberstadt eingeliefert worden war. Dort litt er zunehmend unter gesundheitlichen Problemen. Trotz mehrerer Krankenhausaufenthalte verschlechterte sich sein Zustand. In der Universitätsklinik Halle-Dölau fiel er ins Koma. Die Ärzte stellten einen Zerfall der Gehirnstruktur fest, konnten aber die Krankheit weder diagnostizieren noch therapieren. Williams letzte Station war das Pflegeheim Klostermeindorf bei Saalfeld. Dort verlor sich seine Spur. Niemand hätte mehr von ihm geredet, wenn sich nicht seine ehemaligen Mitbewohner im Ausreisezentrum Halberstadt nach seinem Verbleib erkundigt hätten. Als sie von dort keine Antwort erhielten, informierten sie deutsche Unterstützer, die sich wiederum an den Aachener Rechtsanwalt Rolf Breuer wandten, der Williams zuvor juristisch vertreten hatte. Erst nach mehreren Anfragen wurde Breuer mitgeteilt, dass sein ehemaliger Mandat bereits am 4. April verstorben sei. Williams ehemalige Freunde und Mitbewohner gingen daraufhin jetzt mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit, in dem sie kritische Fragen an das Personal des Ausreisezentrums und die Behörden stellten. Sie wollen unter anderem wissen, an welcher Krankheit John Williams gestorben ist, ob sie ansteckend ist und ob sich eventuell gesundheitliche Risiken für seine ehemaligen Mitbewohner ergeben. Außerdem kritisieren sie, dass ein Sozialarbeiter Williams persönliche Sachen aus seinen Zimmer geräumt hatte, aber die Flüchtlinge trotz Nachfragen nicht über den Tod ihres Freundes und Mitbewohners informierte. Am Ende ihres Briefes ziehen sie ein bitteres Fazit: »Das Verschwinden eines der Flüchtlinge aus dem Abschiebelager Halberstadt dürfte die katastrophale Lebenssituation in der Einrichtung beängstigend illustrieren.« Sie fordern daher die sofortige Schließung des Ausreiszentrums. Darin werden sie von der Flüchtlingshilfsgruppe »Cafe International« aus Halberstadt unterstützt. Der Sprecher der Initiative Matthias Kramer wandte sich am Montag mit einem Fragenkatalog an sämtliche im Landtag von Sachsen-Anhalt vertretenen Parteien. Bei der Verwaltung des Ausreisezentrums war man aus d...

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