Atomforschung für Südafrikas Zukunft

Erneuerbare Energiequellen auf Sparflamme

  • Von Hanna Ndlovu, Pretoria
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Südafrika setzt weiter auf die Nutzung von Atomenergie und fördert eine neue eigenständige Reaktortechnologie.

Auf dem kürzlichen Bonner Weltenergiegipfel stimmten auch die Südafrikaner für ein Aktionsprogramm für erneuerbare Energien. Trotzdem wird das Land bis 2013 nur fünf Prozent seines Energiebedarfs aus Sonne, Wind und Biomasse decken. »Mehr ist nicht drin«, sagte Energieministerin Phumizile Mlambo-Ngcuka. »Wir dürfen keiner Energiequelle abschwören, sonst können wir mit unserer Industrialisierung einpacken«, sagte sie und kritisierte die Industriestaaten, die ihrem Land Energielösungen vorschreiben wollen. Letzteren wirft sie vor, aus Eigeninteresse die Verwendung von Hochtechnologie auf dem Kontinent zu verhindern, um weiter die Ressourcen Afrikas ausbeuten zu können.

Alte Atommeiler standen Pate
Bei der Nuklearenergie hat die Regierung jetzt grünes Licht für ein Forschungsprogramm gegeben. In den nächsten zehn Jahren soll mit der Kugelhaufentechnologie (Pebble Bed Modular Reactor-PBMR) ein Minireaktor mit einer Leistung von 100 bis 120 Megawatt gebaut werden, der über rund 450000 mit Graphit beschichtete Kugeln arbeitet, in die schwach angereicherte Uran-Partikel eingeschlossen sind. Die neue Technologie basiert auf einem Atommeiler der 60er Jahre. Damals haben im Kernforschungszentrum Jülich bei Aachen wahrscheinlich südafrikanische Wissenschaftler unter Umgehung der Sanktionen gearbeitet. Unter dem Apartheidregime soll Südafrika eine geheime Atommacht gewesen sein, die ihre A-Bomben auf Geheiß der USA vor Übergabe der Macht an die schwarze Regierung vernichteten musste. Nur der zwanzig Jahre alte Atomreaktor bei Koeberg darf - friedlich - 6,5 Prozent des Energiebedarfs decken.

Nur 1,5 Prozent Energie aus Sonne und Wind
Für die Kugelhaufentechnologie zeigte Britisch Nuclear Fuels damals schnell Interesse und will nun das intensivierte Forschungsprogramm mit einem 22,5-prozentigen Anteil unterstützen. Die restlichen Kosten trägt zunächst der südafrikanische Staat, wobei ein Konsortium schwarzer Unternehmer mit zehn Prozent eingestiegen ist. Eskom übernimmt für das neue Projekt die Federführung. Die Elektrizitätsgesellschaft hat das Monopol über die Energiegewinnung nicht nur in Südafrika, sondern beherrscht auch die Nachbarländer. Sie erzeugt insgesamt 60 Prozent aller Energie auf dem afrikanischen Kontinent überhaupt.
Die hochwertige Steinkohle ist mit 94 Prozent weiter Nummer Eins bei der Energiegewinnung. Die südafrikanischen Reserven betragen hier 55 Milliarden Tonnen. Werden jährlich 300 Millionen Tonnen abgebaut, reichen die Vorräte noch 200 Jahre. Nur 1,5 Prozent der Energie werden bis jetzt aus Sonne und Wind erzeugt. Kostenvertretbare Einsatzmöglichkeiten hierfür sind nur in den dünn besiedelten ländlichen Gebieten vorhanden und werden dort genutzt. Obwohl es in Südafrika genügend Sonne und Wind gibt, muss die gesamte Technologie aus Europa eingeführt werden....

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