Einst begehrt, jetzt verfallen

Seit 13 Jahren sind zwei Ausflugslokale in Grünau dicht

Der Verfall der einstigen Tourismus- und Wassersporthochburg Grünau soll aufgehalten werden. Deshalb engagieren sich seit Jahren viele Einheimische. Doch sie fühlen sich »von der Politik im Stich gelassen«, sagt Dieter Schwenke von der Interessengemeinschaft Grünau. Es ist ein Bild des Jammers. An vielen Ecken des Köpenicker Ortsteils sieht man verwahrloste Gebäude: das Eckhaus an der Wassersportallee/Regattastraße, die einst beliebten Ausflugslokale Riviera und Gesellschaftshaus und Bootshäuser entlang der Regattastrecke. Obwohl es schon etliche Initiativen und Projekte zur Beseitigung der Schandflecke gab, hat sich an den markanten Stellen nichts getan. Auch die vor einem Jahr gegründete Sektion Projektentwicklung des Ortsvereins ist nicht vorangekommen. »Es gelang uns nicht, alle Verantwortlichen zum Thema Wiederbelebung der Lokale aus der Jahrhundertwende an einen Tisch zu bekommen«, berichtet Dieter Schwenke. Auch Umweltstadtrat Michael Schneider (PDS) konnte auf einem Forum am Dienstagabend dazu keine positiven Nachrichten verkünden. »Wir haben auf die Gebäude keinen Zugriff«, sagte er. Frustrierend für die rund 3600 Grünauer Bürger und die Ausflügler. Denn seit nunmehr 13 Jahren betrat kein Gast mehr die beiden benachbarten Gaststätten. Stattdessen bröckelt der Putz von den einhundertjährigen Fassaden, Fenster sind eingeschlagen und immer mehr Risse werden sichtbar. Vergeblich suchte die TLG Immobilien GmbH bislang einen Investor und Betreiber. Es gab zwar Interessenten für das idyllisch gelegene 12000 Quadratmeter große Grundstück an der Regattastraße, doch wegen des riesigen Sanierungsaufwandes und des wirtschaftlichen Risikos sprangen sie immer wieder ab. Die TGL stellte deshalb einen Abrissantrag, der aber vom Bezirk abgelehnt wurde. »Wir haben dagegen Widerspruch eingelegt«, berichtet Günter Sölken von der TLG. Knackpunkt: Beide Gebäude stehen mit ihren historischen Sälen unter Denkmalschutz. Darüber wird seit Jahren verhandelt und gestritten. Aus Sicht der TLG gibt es nur einen Ausweg, das Gelände wieder zu beleben: Die verfallene Substanz abreißen und vielleicht historische Elemente in einen Neubau integrieren. Deshalb sei man weiter mit den Behörden und Interessenten im Gespräch. Auch wenn bislang nicht viel erreicht wurde, engagieren sich viele Grünauer für ihren Ortsteil. So ist gerade ein Konzept für ein Bootshaus an der Regattastraße 239 in Arbeit. Und die Weltmeisterschaft im Drachenbootfahren, die vom 3. bis 7. August auf der Regattastrecke stattfindet, sehen die Bewohner als Chance. »Es wird einen Markt geben, auf dem sich einheimische Gewerbetreibende präsentieren, Konzerte und verschiedene Vorführungen«, kündigt Dieter Schwenke an. Problematisch sei allerdings die Verkehrssituation im Ortsteil. Stadtrat Schneider will sich für ein Treffen aller an der Vorbereitung der Meisterschaft Beteiligten stark machen.

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