Schrift und Schrei

Ulf Erdmann Ziegler: »Nichts Weißes«

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Sie liefen durch die Rue des Saint Pères zum Boulevard St. Germain, vertieft in ihr Spiel, sich alle Schriften wegzudenken. Und dann die Autos, die Briefkästen, die Telefonzellen - bis nur die Gebäude übrig blieben. Oder die Sache mal umgekehrt: Wie sähe die Stadt aus, wenn es keine Menschen, keine Häuser, sondern nur Beschriftungen gäbe? - Wenig später wird Franz in Marleens Eisenbett liegen, wie sie es sich wünschte. Ein vorgezeichneter Weg, so scheint's. Doch er bricht ab. Immerhin, Marleen wird einen Sohn gebären.

Auf der ersten Seite des Buches sitzt der kleine Antoine neben ihr im Flugzeug nach New York und bewacht ihren Schlaf. »Alle Welt flüstert« - schon staunt man über die schwebende Sprache, die der Autor Ulf Erdmann Ziegler zu Gebote hat. Täuscht es, dass diese Sprache bald etwas Fliehendes bekommt, ruhelos wird, wie es Marleen schon die ganze Zeit war?

Der Roman bietet viele Möglichkeiten, ihn sich zurechtzudenken. E...


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