Vorbereitung auf die erste Schneeflocke

Räumdienste schließen Planungen für den kommenden Winter ab

(dpa). Noch hängt das meiste Laub an den Bäumen, aber viele Berliner Schneeräumdienste schließen in diesen Tagen schon ihre Vorbereitungen für den Winterdienst ab. Mitarbeiter werden in die Touren eingewiesen, die sie mit ihren Räumgeräten zu bewältigen haben, wenn Schnee und Eis auf den Straßen liegen. Von größeren Preiserhöhungen dürften die Bürger diesmal verschont bleiben, wie eine Umfrage der dpa unter Winterdiensten in der Hauptstadt ergab.

In den letzten Jahren hatten Grundstückseigentümer für die Dienste von Schneeräumern teils erheblich mehr bezahlen müssen. Das hing auch mit verschärften Regeln zusammen. Seit dem Winter 2010/11 müssen Gehwege an Hauptverkehrsstraßen und an den meisten Geschäftsstraßen auf mindestens 1,50 Meter Breite von Schnee und Eis geräumt werden, am Kurfürstendamm oder Unter den Linden sogar auf drei Meter Breite. Wenn bloßes Streuen nicht ausreicht, muss Glatteis weggehackt werden. Salz zum Auftauen dürfen nur die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) auf verkehrswichtigen Straßen verwenden.

»Die Touren sind zum Teil halbiert worden, um Stationen bei starker Eisbildung mehrmals am Tag anlaufen zu können«, berichtete jetzt die Vorsitzende des Berliner Verbandes Gewerblicher Schneeräumbetriebe (VGS), Katja Heers, zu den Folgen der Neuregelung. »Das hat sich preiserhöhend ausgewirkt.«

Der Winterdienst Best in Wilmersdorf will wie andere Firmen in dieser Saison nicht weiter an der Preisschraube drehen. »Auch den neuen Anstieg der Benzinpreise müssen wir nicht auf unsere Kunden umlegen, da wir uns im Kraftstoff- und im Streugutbereich durch Langzeit-Lieferverträge preislich abgesichert haben«, erläuterte Unternehmenssprecher Robert Karehnke.

Viele Winterdienste schließen mit ihren Kunden zu einem Pauschalpreis Saisonverträge, die sich in der Regel verlängern, falls nicht bis Ende April gekündigt wird. Wenn die Preise steigen, können die Kunden in jedem Fall kündigen.

Die Firma Sakman Service in Tempelhof etwa hat das Kündigungsrecht ihrer Bestandskunden und den scharfen Wettbewerb in der Branche vor Augen. »Zwar sind Kraftstoffe und Streusplitt teurer geworden, aber ich kann die Mehrkosten nicht an die Kunden weiterreichen«, sagte der Winterdienst-Betriebsleiter, Friedrich-Wilhelm Dörger.

Bei den Kosten hilft es vielen Unternehmen, dass sich der letzte Winter erst in der zweiten Hälfte von seiner frostigen Seite zeigte. So konnte an Streugut gespart werden. Sakman etwa hat nach den Worten Dörgers noch 700 Tonnen Splitt übrig behalten und musste jetzt nicht mehr so viel neues Streumaterial beim Lieferanten in der Lausitz bestellen. Auch bei der BSR waren die Vorräte an Splitt und Salz nach dem letzten Winter längst nicht aufgebraucht, wie Unternehmenssprecher Bernd Müller sagte.

Sakman Service ist mit 36 Fahrzeugen für die Räumung von Gehwegen und acht Räumfahrzeugen für Straßen auf den Winter vorbereitet. Für die Schnee- und Eisbeseitigung hat das Unternehmen insgesamt 135 Mitarbeiter unter Vertrag. »Zu 90 Prozent sind die Touren fertig ausgearbeitet«, berichtete Dörger. »Bis Anfang Dezember kommen aber meistens immer noch ein paar Nachzügler als Kunden.«

Unternehmen wie Sakman machen ihr Geschäft vor allem mit privaten Hauseigentümern. Teilweise arbeiten sie aber auch im Auftrag der BSR und beseitigen Schnee und Eis etwa an Bushaltestellen. Die BSR könnte nach eigenen Angaben auch in der kommenden Saison wieder bis zu 2100 Beschäftigte sowie 470 Räum- und Streufahrzeuge in den Winterdienst schicken, falls es notwendig werden sollte. In den nächsten Wochen müssten sich die Kollegen aber erstmal um das Herbstlaub kümmern, sagte BSR-Sprecher Müller.

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