Wenn der Besen am Tor hängt

Im Spätherbst gehört das Wohnzimmer des württembergischen Rentnerpaars Schaile allen

In den letzten Wochen lebte Familie Schaile im Ausnahmezustand. Wie in jedem Spätherbst verwandelte sie ihre Stube in einen Schankraum, eine »Besenwirtschaft«. Es ist einer der letzten Wohnzimmer-Besen in Baden-Württemberg.

Im Wohnzimmer der Familie Schaile sitzen vierzig Fremde. Sie stechen ihre Gabeln in saftiges Salzfleisch und spülen mit Trollinger Rotwein nach. »Darf es noch etwas sein?«, fragt Christa Schaile, 62, die Gäste. An ihrer Schürze baumelt ein Stift, mit dem sie die Bestellungen aufschreibt. Dann geht die kleine Frau mit den leuchtend roten Haaren hinüber zum Aquarium und ruft nach nebenan in die Küche: »Noch eine Portion Schälripple!«

Im Spätherbst gehört das Wohnzimmer von Christa und Edgar Schaile allen. Das Rentnerpaar bindet dann einen Besen ans Gartentor und betreibt in seinem Haus im baden-württembergischen Kornwestheim eine Besenwirtschaft - eine Gastwirtschaft auf Zeit, in der es eigenen Wein und Hausmannskost verkauft.

Nach der Weinlese öffnen hunderte kurz Besen genannte Gastwirtschaften in der Region. Das hat Tradition, einst räumten viele Winzer die gute Stube leer, um Gäste zu bewirten. Heute sind es eher Keller, Gara...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.