Bankskandal mit politischer Schlagseite

Bei der Affäre um Monte dei Paschi di Siena gerät auch Mario Draghi unter Beschuss

  • Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Der Skandal um die drittgrößte italienische Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) zieht immer weitere Kreise. Inzwischen geht es nicht mehr allein um Fehlspekulationen mit Derivaten, sondern auch um Schmiergelder in Milliardenhöhe, blinde Bankenaufsicht, zwielichtige Berater wie die US-Investmentbank Goldman Sachs und politische Einflussnahme.

»Das italienische Bankensystem ist solide«, beteuerte Wirtschafts- und Finanzminister Vittorio Grilli in dieser Woche vor dem Parlament in Rom. »Die Schuld für die Schieflage der Bank MPS liegt allein bei den lokalen Verantwortlichen; die zuständigen Behörden in Italien und Europa haben immer pflichtbewusst gehandelt.« Die knapp vier Milliarden Euro, die der Staat dem angeschlagenen Kreditinstitut in Form einer Anleihe zur Verfügung stellt, seien durch den Wert der Bank gedeckt. Grilli zufolge haben die italienische Notenbank und die Europäische Zentralbank immer ihre Pflicht getan. Damit stellte sich Grilli indirekt vor Mario Draghi, der von 2006 bis 2011 die eine leitete und seither der anderen vorsitzt. Viele halten dem aktuellen EZB-Chef vor, zumindest moralisch zu den Mitverantwortlichen eines Fast-Bankrotts zu gehören, der die Region Siena zur Verzweiflung bringt.

Der Niedergang des Traditionshauses begann 2007, als MPS ...


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