Linke Geschichte auf der Anklagebank

Im Prozess gegen vermeintliche »Revolutionären Zellen« verwickelt sich der Kronzeuge in Widersprüche

  • Von Niels Seibert
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Vor dem Schwurgericht Frankfurt am Main leitet die Vorsitzende Richterin Bärbel Stock die Verhandlung gegen zwei Militante der 1970er Jahre. In bislang 25 Prozesstagen ist ihr Verurteilungswille deutlich geworden.

»Happy birthday to you«, hallen Gesänge aus dem Publikum in den Gerichtssaal, als die Angeklagte Sonja Suder eintritt. Sie wurde aus der Untersuchungshaftanstalt Frankfurt-Preungesheim hierher gebracht und nun lächelt sie. Prozessbesucher aller Altersklassen haben das Geburtstagsständchen erstaunlich gut intoniert. Sogar ein sonst bieder dreinblickender Justizbeamter muss schmunzeln. Sonja Suder ist 80 Jahre alt geworden. Der Mitangeklagte Christian Gauger, 71, ist ihr Lebensgefährte. Beide engagierten sich in der ersten Hälfte der 1970er in Frankfurt am Main. Sie in der Hausbesetzerbewegung, er in der undogmatischen Roten Hilfe für die Freiheit von politischen Gefangenen.

Derzeit stehen die beiden vor dem Frankfurter Landgericht. Ihnen wird vorgeworfen, als Militante der Revolutionären Zellen (RZ) im August 1977 und Mai 1978 drei Brand- und Sprengstoffanschläge verübt zu haben. Zwei dieser Aktionen zielten auf Firmen, die Pum...


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