Philosophie auf der Baustelle

Brechts »Flüchtlingsgespräche« im Berliner Ensemble

  • Von Christoph Funke
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Schon hat »die Kriegsfurie halb Europa abgegrast«, als sich im Bahnhofsrestaurant von Helsingfors zwei Emigranten aus Deutschland treffen - der dicke Physiker Ziffel und der dünne Metallarbeiter Kalle. In 15 Gesprächsrunden nehmen sie ihr Zeitalter ins Visier, mit geistiger Bewaffnung der Armseligkeit ihrer Existenz trotzend. Bertolt Brecht macht den atemverschlagenden Versuch, mit diesen »Flüchtlingsgesprächen «einem der größten Humoristen unter den Philosophen» zu huldigen - nämlich Hegel. Wie der große Denker bringt er die Begriffe zum Tanzen, schaukelt mit der Dialektik so lange «aufm Stuhl», bis der, wie es im Text steht, hintüberfällt. Doch halt, bei freien Lockerungsübungen für die Schärfung des Verstandes bleibt es nicht. Es geht um Politik im sich verschärfenden Krieg, um Demokratie und Materialismus, um Bildung und Freiheitsliebe, um Patriotismus und Erziehungsfragen, ja auch um Wanzenvertilgung und sexuelle Ausschweifunge...


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