Reise in den Gulag

Memorial Perm kämpft wie andere russische zivilgesellschaftliche Organisationen um seine Existenz

  • Von Felix Herrmann, Perm
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Vom einstigen Molotow aus, der heutigen Millionenstadt Perm, machen sich Expeditionen auf zu den stalinschen Lagern im Ural. Organisator Memorial soll sich nun als »ausländischer Agent« bekennen.

Die Ortsfremden hatten den sieben Meter langen Balken dem Arbeiter des lokalen Sägewerks abgeschwatzt. Er könne ihnen kein Material überlassen, hatte der aus dem Kaukasus stammende Ramsan abgewehrt, sein Chef sei nicht da. Ob der Besitzer russisch-orthodox sei? Prima, dann werde es ihn sicher freuen, dass das Gedenkkreuz am Rande des Dorfes Kusje-Alexandrowski im Ural mit seiner Hilfe erneuert werde.

»Es ist schon komisch«, stellt Robert Latypow, Vorsitzender der seit den Perestroika-Jahren um historische Aufklärung und den Schutz der Menschenrechte bemühten Organisation »Memorial« aus dem russischen Perm fest, als das Kreuz nach zwei Stunden Arbeit endlich steht: »Ein Tatar und ein Baschkire, Muslime, wenn auch keine gläubigen, stellen mitten in Russland ein christliches Kreuz auf.« Aus Respekt vor dem Glauben der in den 30er Jahren im Zuge der gewaltsamen Kollektivierung deportierten und in einem Lager am Ortsrand inhaftiert...


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