Ohne Mama und Papa geht's nicht

Studie belegt, dass Studenten ohne gut verdienende Eltern aufgeschmissen sind

  • Fabian Lambeck
  • Lesedauer: 3 Min.

»Die Förderung engagierter Nachwuchstalente ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Sie zählt zu den schönsten und nachhaltigsten Investitionen in die Zukunft« - mit solch warmen Worten macht sich Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) für den studentischen Nachwuchs stark. Ein Blick in die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) genügt, um zu begreifen, dass diese »gesellschaftliche Aufgabe« vor allem an den Eltern hängen bleibt. Mama und Papa sind die Hauptstütze vieler Studierender. Immerhin 87 Prozent erhalten Geld von ihren Eltern. Im Schnitt etwa 476 Euro pro Monat. Das reicht kaum zum Leben. Und da auch nur 32 Prozent die staatliche Studienbeihilfe BAföG erhalten, gehen zwei Drittel aller Befragten nebenbei arbeiten.

Wer ohne Nebenjob - also möglichst schnell - durchs Studium kommen will, braucht gut verdienende Eltern. Nicht jede Familie kann ihren studierenden Sprössling mit fast 500 Euro pro Monat unterstützen. Erst recht nicht, wenn es noch Geschwister gibt.

Diese finanzielle Hürde dürfte mit dafür verantwortlich sein, dass zwar 77 Prozent aller Akademikerkinder auf der Uni landen, aber nur 23 Prozent der Kinder von Nicht-Akademikern.

Lediglich neun Prozent der Studierenden haben eine »niedrige Bildungsherkunft«, wie es im Bericht heißt. Das bedeutet, sie stammen aus Familien, in denen höchstens ein Elternteil eine Berufsausbildung abgeschlossen hat. Ein alarmierendes Signal: In den 1980ern lag ihr Anteil noch bei fast 30 Prozent. »Bund und Länder müssen sich der Verantwortung stellen, endlich eine soziale Hochschulpolitik zu entwickeln«, fordert DSW-Präsident Dieter Timmermann.

Die Sozialerhebung belegt zudem, welch geringe Rolle Stipendien und Studienkredite spielen. So erhalten nur vier Prozent der Studenten ein Stipendium, wobei das ominöse »Deutschlandstipendium« schon berücksichtigt ist.

Somit ist die Bundesregierung noch meilenweit von ihrem selbstgesteckten Ziel entfernt, »bis zu acht Prozent der Studierenden an jeder deutschen Hochschule« derart zu fördern. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden Ende 2012 nicht einmal 14 000 Studierende mit einem Deutschlandstipendium bedacht. Zwar beeilte man sich zu betonen, dass sich die Zahl der Stipendiaten »innerhalb nur eines Jahres auf das Zweieinhalbfache erhöht« habe; allerdings hat auch die Zahl der Studenten stark zugenommen.

Zum Vergleich: Im Jahr 2001 zählten die Statistiker bundesweit 1,9 Millionen Studenten. Im Wintersemester 2012/13 waren bereits 2,5 Millionen junge Menschen an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Nicht nur Mathematikstudenten sollten ganz schnell ermittelt haben, dass die aktuelle Förderquote bei den Deutschlandstipendien deutlich unter einem Prozent liegt. Die avisierten acht Prozent dürfte man so schnell nicht erreichen. Ohnehin steht das Stipendium in der Kritik: Zum einen, weil die 300 Euro zur Hälfte von privaten Sponsoren kommen und diese wie an der Uni Hannover »Wohlverhalten« von ihren Schützlingen fordern können. Zum anderen fürchten Kritiker wie der Elitensoziologe Michael Hartmann, dass das Programm »zumindest mehrheitlich diejenigen fördert, die Förderung zumindest finanziell nicht nötig haben«.

Schon jetzt sind die finanziellen Voraussetzungen äußerst unterschiedlich. Laut Sozialerhebung muss das untere Viertel der Studenten mit weniger als 675 Euro im Monat auskommen, während das obere Viertel mehr als 1000 Euro zur Verfügung hat.

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