Prismbreak: Ist ein Leben ohne Totalüberwachung möglich?

Ein Tagebuch über die leidvolle Flucht vor Google, Microsoft und Co.

  • Von Fabian Köhler
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Mein E-Mail-Anbieter gehört zu Microsoft, das Betriebssystem meines Handys wurde von Google entwickelt. Mein Adressbuch heißt Facebook. Wenn ich meinen PC starte, verkündet ein orangefarbenes Blinken die erste Skype-Nachricht. Musik höre ich mittels Youtube-Playlist. Verabredungen, Interviews, Beziehungsgespräche: Ein großer Teil meiner Kommunikation durchläuft irgendein Glasfaserkabel. Mein halbes Leben landet in Echtzeit auf einem Rechner des amerikanischen Geheimdienstes. Irgendein Computeralgorithmus der NSA weiß, wann ich wo, mit wem, worüber gechattet habe – selbst wenn ich es längst vergessen habe. Muss das sein? In den nächsten Tagen und Wochen will ich versuchen, zumindest die Echtzeitüberwachung des PRISM-Programms zu umgehen: So lange bis Microsoft, Google, Facebook und Co. mein Leben nicht mehr dekodiert nach Maryland weiterleiten. Oder bis ich mir frustriert eingestehe, dass Totalüberwachung doch das bequemere Übel ist.

Tag 3: Open Tagebuch. Oder: Was Google über uns weiß

Es gibt einen Google-Werbespot, in dem schreibt ein Vater regelmäßig an seine kleine Tochter: Geburtstagsparty, der erste wackelnde Zahn usw. „Ich schreibe Dir schon dein ganzes Leben. Eines Tages schauen wir uns das gemeinsam an“, freut er sich über das Ende der antiquierten Zeiten, in denen Tagebücher noch mit kleinem Vorhängeschloss gesichert wurden. Und Google freut sich darüber, einen Menschen schon von Geburt an in die passende Werbekategorie einordnen zu können. Nur, ob sich die erwachsene Tochter eines Tages freuen wird, ist fraglich.

Einen ähnlichen Moment, wie ihn die Werbetochter in einigen Jahren haben wird, hatte ich heute Morgen, als ich meinen Gmail-Account löschen wollte. Zwar bin ich hinsichtlich dessen, was mich dort erwartete, Vater und Tochter in Personalunion und waren es auch nic...


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