Türkische Gemeinde vermisst Rassismus-Debatte

Vorsitzender Kenan Kolat fordert Auflösung des Bundesamts für Verfassungsschutz

  • Von Aert van Riel
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland verlangt nach dem Abschlussbericht des NSU-Ausschusses des Bundestags, Konsequenzen aus der rechten Mordserie zu ziehen. V-Leute sollen abgezogen und das Bundesamt für Verfassungsschutz aufgelöst werden.

Der Blumenhändler Enver Simsek war das erste von insgesamt zehn Mordopfern der rassistischen NSU-Terroristen. Der damals 38-Jährige wurde am 9. September 2000 an seinem mobilen Blumenstand in Nürnberg mit acht Schüssen aus zwei Pistolen regelrecht hingerichtet. Bei den folgenden Ermittlungen musste seine Familie weiter leiden. Polizisten konfrontierten Simseks Frau mit kruden Thesen. Ihr Mann habe ein Verhältnis mit einer blonden Frau gehabt. Ein anderes Mal behaupteten die bayerischen Beamten, Simsek sei ein Drogenkurier gewesen.

Der Politikwissenschaftler Hajo Funke sieht hier einen Beleg für institutionellen Rassismus. »Es handelt sich um die typischen Vorurteile. Täter und Opfer sollten aus Sicht der Ermittler zusammengehören«, so Funke. Ein rassistisches Tatmotiv sei hingegen weitgehend ausgeschlossen worden. Der Rechtsextremismusforscher war am gestrigen Dienstag gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in ...


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