Eine Rundfahrt durch die Interessen der Oberschicht

Urlaub im öffentlichen Raum

  • Von Roberto J. De Lapuente
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Armut hat keine Lobby. Themen, die die unteren Gesellschaftsschichten betrifft, erhalten kaum öffentliche Wahrnehmung. Das was wir Öffentlichkeit nennen, ist letztlich nicht mehr als die medienwirksame Aufbereitung von Themengebieten, die fast ausschließlich die Oberschicht betreffen.

Ich freute mich auf ein Wochenende in Hamburg. Da ich die Stadt nicht kannte, ließ ich mich auf eine Rundfahrt ein. Die war spannend und imposant. Unsere Reiseführerin wusste so allerlei. Ins Schwelgen geriet sie allerdings erst, als wir in die Hafencity abbogen. Als wir den Marco-Polo-Tower erreichten, erzählte sie uns von bis zu 30.000 Euro Quadratmeterpreisen und dem geplanten Yachthafen vor der Haustüre. Später durchfuhren wir noch reiche Villengegenden und sie klang auch dort ein wenig stolz, ganz besonders als sie meinte, ihre Stadt sei lauteiner Studie die Stadt der meisten Millionäre.

Wieso nur kann man sich über diesen Superreichtum von Leuten, mit denen man nichts zu tun hat, so patriotisch freuen? Wollte sie damit sagen, dass man neidisch sein soll, nicht in Hamburg zu leben? Diese Fragen beschäftigten mich. Auf der Reeperbahn war sie viel zurückhaltender mit ihrem Lokalpatriotismus. Ich will nicht behaupten, dass i...


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