Das war Sozialdemokratisch

  • Von Roberto J. De Lapuente
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Dieser Wir-machen-es-uns-nicht-leicht-Tratsch, den mancher Sozi während der Sondierung mit der Union medial aufführte, war schon fast sicherer Beleg für die Bereitschaft zu Koalitionsverhandlungen. Denn dieses Gedruckse ist die sozialdemokratische Art zu sagen: Wir sind bereit.

Spätestens als Andrea Nahles fast schwermütig vor die Presse trat und von schwierigen Gesprächen berichtete, die nicht zielführend in die Koalitionsverhandlung führen würden, war mir eigentlich klar, dass es genau zu solchen Verhandlungen kommen würde. Die Sozialdemokraten haben eine ganz besondere Strategie entwickelt, sich in der Öffentlichkeit als verantwortungsbewusste Gruppe zu gerieren. Die Masche ist dabei immer gleich.

Ich erinnere mich an Ottmar Schreiner. Vor Jahren saß der SPD-Politiker in Michel Friedmans Talkshow. Dort wurde er als innerparteiliche Opposition zum Kanzler in die Mangel genommen. Würde er am morgigen Tag für die Agenda 2010 stimmen? Oder gibt er die Parteidisziplin auf? Schreiner kam ins Schwitzen und Friedman rückte ihm immer näher, beschwor ihn, wollte wissen, wie er abstimmen werde. Schreiner wand sich, sprach davon standhaft bleiben zu wollen. Sollte er dennoch mit Ja stimmen, sagte er, würde er...


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