Das rote Gespenst verliert an Schrecken

Vorgezogene Parlamentswahlen in Tschechien: Eine Linksregierung scheint möglich

  • Von Jindra Kolar, Prag
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

8,4 Millionen tschechische Wähler sollen am Freitag und Sonnabend ein neues Abgeordnetenhaus bestimmen. Als sicher gilt, dass die Sozialdemokraten als stärkste Partei aus der Wahl hervorgehen.

»Unser Projekt ist eine einfarbige Regierung«, verkündete Bohuslav Sobotka, der 42-jährige Chef der Sozialdemokratischen Partei (ČSSD). Die letzten Wahlprognosen billigen seiner Partei zwar den ersten Platz zu, allerdings mit lediglich 23 bis 26 Prozent der Stimmen. Wenn Sobotka von einer »einfarbigen« Regierung spricht, rechnet er also mit »roten« Bündnis- oder Tolerierungspartnern. Und tatsächlich scheint ein Bündnis aus Sozialdemokraten und Kommunisten aussichtsreich. Der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens (KSČM) werden 14 bis 18 Prozent der Stimmen vorausgesagt.

Nach dem Korruptions- und Bespitzelungsskandal, der im Sommer die bürgerliche Regierung und Premier Petr Nečas zum Rücktritt zwang, hatte Staatspräsident Miloš Zeman vorzeitige Neuwahlen angeordnet. Die Demokratische Bürgerpartei (ODS) dürfte dabei eine bittere Quittung kassieren: Schon einmal hatten Korruptionsskandale die vorzeitige Abdanku...


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