Teurer Spaß an künstlicher Südsee

Das Freizeitparadies »Tropical Islands« in Brand wird in diesem Jahr zehn Jahre alt

Nicht als Journalist angemeldet, als zahlender Besucher gekommen - ein Test der einzigartigen Badelandschaft in Brand.

Der Sohn hätte sich alles noch viel größer und schöner vorgestellt. Klar, die 107 Meter hohe und 360 Meter lange Halle ist gigantisch und die beiden Schwimmbecken - eine künstliche Südsee und eine künstliche Lagune - sind riesig. Aber in der Eigenwerbung des Freizeitparadieses »Tropical Islands« im Internet sah das alles noch beeindruckender aus. Das Marketing hat offenbar was drauf.

Keine böse Überraschung sind die Eintrittspreise - rund 100 Euro für die Tageskarte einer dreiköpfigen Familie. Das wussten wir vorher. Aber ist der Spaß auch so viel Geld wert?

Es ist voll, sehr voll. Unsere Schranknummern in der Umkleide (6751 und folgende) zeigen uns, wie viele Menschen hier sein müssen - und es kommen immer noch mehr dazu. Auf den Liegen an der Südsee ist stundenlang kein freies Plätzchen zu finden. An den Rutschen heißt es lange anstehen, und der hohe Turm mit drei dieser Rutschen wackelt bedenklich, weil er nur am Boden verankert und nicht auch noch am Dach befestigt ist. Technisch sicher ist die Anlage zweifellos, und doch haben wir ein mulmiges Gefühl. Außerdem ist das Wasser für unseren Geschmack mindestens zwei Grad zu kalt. Mit Gänsehaut kommen keine tropischen Gefühle auf. Da hilft auch der an die Wand gezauberte blaue Himmel nicht.

Aber nun zum Positiven. Viele Probleme türmten sich auf, als das malaysische Konsortium Tajong 2003 die Halle in Brand (Dahme-Spreewald) aus der Konkursmasse der CargoLifter AG erwarb. Umfangreiche Umbauten waren notwendig. Schließlich hatte CargoLifter die größte freitragende Halle der Welt als Luftschiffwerft errichtet und nicht als Urlaubsparadies. Die Wärmedämmerung war dementsprechend unzureichend und es mangelte an Sonnenstrahlen. Die Palmen kümmerten vor sich hin, bis dafür gesorgt wurde, dass mehr Tageslicht einfällt.

Als »Tropical Islands« am 19. Dezember 2004 eröffnete, gab es viele Unkenrufe. Wegen der Größe der Halle und wegen des enormen Energieverbrauchs sei ein wirtschaftlicher Betrieb unmöglich, hieß es. Die baldige Pleite wurde vorhergesagt. Tatsächlich machte das Unternehmen anfangs erhebliche Verluste, der Mutterkonzern investierte jedoch immer weiter in das Projekt, bis endlich schwarze Zahlen geschrieben wurden. So entstanden zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten. 198 Zimmer mit 516 Betten und 133 Zelte mit 350 Schlafplätzen stehen inzwischen zur Verfügung.

Restaurants und Geschäfte, Attraktionen und Hütten in malerischer Architektur sind hübsch um einen Berg herum gruppiert. Vom Fesselballon aus lässt sich das bunte Treiben aus der Luft betrachten. Gäste aus dem In- und Ausland fühlen sich angezogen. Wir erleben eine fröhliche polnische Reisegruppe, die sich auf einem Fahrgeschäft amüsiert.

Die Nacht bricht an. Bei spärlicher Beleuchtung entsteht eine zauberhafte Abendstimmung. Der Sohn ist längst nicht mehr enttäuscht. Er hatte seinen Spaß, so wie Vater und Mutter. Wir sind uns einig: Das ist ein teurer Spaß, aber zugleich ein einzigartiges Erlebnis, das sich einmal im Jahr gönnen sollte, wer sich das leisten kann. Viele Besucher bringen sich Picknickkörbe mit herein, was eigentlich nicht erlaubt ist. Wir hatten kein Essen dabei und müssen deshalb am Ausgang für das Verzehrte noch einmal etwa 60 Euro bezahlen. »Geht ja noch«, bemerkt ein Familienvater hinter uns lächelnd, bevor er selbst zur Kasse gebeten wird.

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