Eine Enttäuschung für die Jugendlichen

In Europa verharrt die Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau

Sechs Milliarden Euro stellte die EU 2013 für die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit zur Verfügung. Die Bilanz ist ernüchternd.

18,965 Millionen Menschen - so viele waren laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat im Februar 2014 in der Eurozone arbeitslos. Damit sank die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr nur leicht von 12 auf 11,9 Prozent. Traurige Rekordhalter bleiben dabei weiterhin Griechenland (27,5 Prozent im Dezember 2013) und Spanien mit 25,6 Prozent Arbeitslosen.

Auch hat die Zahl der Erwerbslosen innerhalb der südeuropäischen Krisenstaaten nur auf der iberischen Halbinsel abgenommen. So betrug die Quote in Spanien noch 26,6 Prozent und in Portugal sank sie von 17,5 auf 15,3 Prozent. In Griechenland, Zypern und Italien stieg die Zahl der Arbeitslosen jedoch auch im letzten Jahr weiter an.

Besonders die Situation der Jugendlichen ist dramatisch: Mit 23,5 Prozent ist zurzeit fast jeder vierte Mensch unter 25 Jahren in der Eurozone offiziell ohne Job und Ausbildung. In Griechenland und Spanien sind es mit 58,3 beziehungsweise 53,6 Prozent mehr als die Hälfte, während ihre Quote in Deutschland (7,7 Prozent) am geringsten ist. Sechs Milliarden Euro stellten die 27 EU-Mitgliedstaaten auf einem Gipfeltreffen im Juni letzten Jahres für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zur Verfügung.

»Diese Initiative war eine Enttäuschung«, sagte der Präsident des spanischen Jugendrates, Ricardo Ibarra Roca, vor Vertretern des Europaparlaments. Dessen Haushaltsausschuss hatte zusammen mit dem Beschäftigungsausschuss zu einer öffentlichen Anhörung über das Programm gegen Jugendarbeitslosigkeit geladen.

Dass die bereitgestellten sechs Milliarden Euro nicht ausreichen, um das Problem zu bekämpfen, bestätigten die meisten Anwesenden. So sei die Jugendarbeitslosigkeit ein relativ schwerwiegendes Problem, das man erst mittelfristig lösen könne, erklärte Michel Servoz, Generaldirektor für Beschäftigung und Soziales bei der EU-Kommission.

Doch liegt das Problem nicht nur an den geringen Mitteln, die die EU bereitstellt. Oft sind die Mitgliedsländer, die sie besonders nötig brauchen, gar nicht in der Lage, sie wirklich zu nutzen. So gibt es zum Beispiel in Griechenland lediglich 608 Berater für über eine Million Arbeitslose. Zudem liefen die Staaten, die die Mittel abrufen wollten, Gefahr, damit gegen EU-Defizitkriterien zu verstoßen, warf Roca ein.

Den Jugendaktivisten stört zudem, dass sich die Politiker nur für die »Arbeitslosenzahlen interessieren«. Er wies auf die zunehmende Prekarisierung seiner Generation hin. So hätten in Spanien 80 Prozent der unter 25-jährigen Beschäftigten lediglich befristete Verträge und 30 Prozent seiner Generation müssten trotz Überqualifikation emigrieren, um überhaupt einen Job zu finden.

Dies alles kann sich Roca zufolge nur verbessern, wenn Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit auch qualitativ verbessert werden. So würden derzeit mit Hilfe von Praktika nur schlechte Jobs, aber keine Zukunftsperspektiven geschaffen.

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