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Folge 47: EMANZIPATION (Substantiv, die)

Lexikon der Bewegungssprache

Ursprünglich stammt der Begriff aus der Zeit des Sklavenhandels. So wurden Leibeigene emanzipiert genannt, wenn sie aus dem Eigentum ihres Besitzers entlassen wurden. Im Laufe der Jahrhunderte muss eine aktive Tätigkeit daraus geworden sein, denn um Selbstbestimmung zu erreichen, die das Ziel der Emanzipation ist, müssen wir laut Kalle »alle Verhältnisse umwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«.

Umwerfen ist ’ne gute Sache, dachte sich wohl auch die Genossin, die angesichts auf dem Podium in endlosen Reden vorgetragener männlicher Selbstüberschätzung kurzerhand eine Tomate gezielt einsetzte: Die Emanze war geboren. Und damit erneute Zuschreibungen, die Feministinnen über den Haufen werfen wollten: hässlich, Männer fressend, strickend, frustriert, frigide, klug, lesbisch, Hosen und lila Halstücher tragend. Die Emanzipation wurde Bestandteil der 68er Frauenbewegung. Heute heißen Feministinnen nicht mehr Emanzen, sondern Alphamädchen. Diese wollen mit den alten Zuschreibungen nichts mehr zu tun haben, Alice Schwarzer ist ihnen ebenso verhasst, wie die Anti-Emanze Kristina Schröder.

Die Emanzipation selbst war schon vor der Emanze ein Begriff der Frauenbewegung, deren Ziel Gleichberechtigung ohne politischen Umsturz lange in der Kritik. So schrieb die Anarchistin Emma Goldmann zur Jahrhundertwende: »Es ist heute für die Frau notwendig geworden, sich von der Emanzipation zu emanzipieren, will sie wirklich frei sein.« had

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