Neustädte in Neustadt

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.
Zum 36. internationalen Treffen aller Neustädte, das im laufenden Jahr in Neustadt an der Dosse ausgerichtet wird, haben sich rund 80 Teilnehmer angesagt.

Was haben das italienische Neapel, das russische Nowgorod und das märkische Neustadt an der Dosse gemeinsam? Zu Deutsch heißen sie alle »neue Stadt«. Alljährlich gibt es ein großes Treffen der Neustädte. Neustadt an der Dosse als diesjähriger Ausrichter verbindet das mit der Feier zum 350. Jahrestag der Übertragung des Stadtrechts.

Mit rund 1000 Gästen aus Deutschland und aus aller Welt rechnet Bürgermeisterin Sabine Ehrlich, wenn sie auch einräumt, das die weit entfernten Neustädte nicht vertreten sein können. Aber die deutschen Städte dieses Namens, die österreichischen, holländischen, tschechischen sind dabei. »Leider haben wir keine Anmeldung aus Frankreich«, bedauert die Bürgermeisterin. Rund 600 Neustädte gibt es ihr zufolge weltweit, 37 davon haben sich in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen.

»Andere sprechen von Europa, wir leben es«, sagt Ehrlich selbstbewusst und kündigt einen historischen Festumzug an, in dem die Stadt mit dem Gestüt sich Gästen präsentieren wird. Auch Ritter Kahlbutz, der im benachbarten Kampehl eben nicht begraben ist, soll dabei sein. Natürlich wird nicht der mumifizierte Leichnam mitgeführt, sondern ein Bild, das Kahlbutz in voller Rüstung zeigt.

Die Landesregierung wird durch Finanzminister Christian Görke (LINKE) vertreten sein. Sie hat 15 000 Euro aus Lottomitteln für das Spektakel zur Verfügung gestellt. Die insgesamt 60 000 Euro, welche das Fest kostet, konnten ansonsten durch Spenden und Sponsoren aufgebracht werden. Die Vertreter der anderen Neustädte werden vor dem Festumzug aufmarschieren. Ihren zu Ehren soll es auch eine Hengstparade geben.

Der Fanfarenzug des Gestüts soll an diesem Samstagmorgen zum Wecken blassen. Die an sich scheuen Pferde »kennen den Krach« beruhigt die Bürgermeisterin. Nur die Trommler der Prinz-Von-Hommburg-Schule seien nicht ohne. »Davor haben die Pferde Respekt, das könnte kritisch werden.« In der Internatsschule gibt es Spezialklassen für Reiter. Die Dissonanzen zwischen dem Haupt- und Landgestüt und der Landesregierung konnten vor einigen Jahren ausgeräumt werden, freut sich die Bürgermeisterin, die im Hauptberuf den Reitunterricht mit organisiert. Mit seiner fast 300-jährigen Geschichte gehöre das Gestüt zum »kulturellen Erbe«, das Geld koste. Zu dieser Erkenntnis habe sich die Regierung schließlich durchgerungen.

2015 wird ein polnisches Neustadt unweit von Lodz das Treffen der Neustädte ausrichten.

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