Echoraum des anderen Denkens

Die Performance »Ich heiße Anna« wagt den Versuch von der Demenz-Erkrankung zu erzählen

  • Von Tom Mustroph
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Regisseurin Marie Rodewald gelingt es erneut dich auf sehr subtiler Art dem schwierigen Thema Demenz zu nähern. Zusammen mit Schauspieler Holger Foest laden sie ein, Blicke in brüchige Strukturen zu werfen.

Denken braucht Struktur, und wenn bei Demenz-Erkrankungen die Struktur brüchig wird, passiert das Gleiche mit dem Denken. Auf sehr subtile Art führt der Schauspieler Holger Foest in der als »performatives Abendbrot« klassifizierten Produktion »Ich heiße Anna« in den Rathenau-Hallen in Schöneweide in das Thema der bröckelnden Struktur ein. Er erklärt Zeitstrukturen anhand des Zifferblatts einer Uhr. Volle Stunden gilt es da abzulesen und halbe Stunden. Das klappt. Doch wenn es um die Viertelstunden geht, etwa um die Bezeichnung viertel acht oder auch drei viertel neun, dann streikt selbst das gesunde Hirn des westlich der Mauer geborenen Schauspielers und kann die »östliche« Zeitangabe nicht in seine Struktur übersetzen.

Eine Ahnung überkommt das handverlesene Publikum – maximal sieben Personen sind pro Aufführung zugelassen – , vor welchen Problemen erkrankte Geister stehen. Es wird aber auch für k...


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