Demokratie, gebettet auf Leichen

Iannis Xenakis’ Musiktheater »Oresteia« an der Deutschen Oper Berlin

  • Stefan Amzoll
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Das Stück läuft in Deutschland selten. Warum? »Oresteia« von Iannis Xenakis existiert seit 1966 und hat eine Aktualität, von der heutiges Musiktheater allgemein weit entfernt ist. Die Uraufführung fand 1966 in der Kleinstadt Ypsilanti (US-Bundesstaat Michigan) unter freiem Himmel statt. Open air wurde auch diesmal gespielt: auf der großen Freifläche des Parkhauses der Deutschen Oper in Berlin. Idealer Aufführungsort mit weiten Betonflächen, bedrohlichem Gitterzaun, stählernem Tor und einer Häuserfront, hinter deren Fenstern der weißseidene Chor seine friedlichen Stimmen aussendet.

Aischylos’ »Orestie« bildet die Grundlage des Stücks und mündet in eine hochkomprimierte, nichtsdestoweniger anschauliche Form. Arien, Duette etc. hat das Werk nicht nötig. Oper sei eine »tote Form«, sagte der Komponist einmal. Die antike Vorlage genüge, um »reines, großes Theater« zu machen, ein »Totaltheater«, das Dichtung, Bewegung, Tanz, Musik, M...


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