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Skandal im Volleyballparadies

Nach Schmiergeldvorwürfen wird die polnische Verbandsführung verhaftet

Kaum Weltmeister geworden, verliert der polnische Volleyballverband zwei seiner ranghöchsten Funktionäre.

Für Miroslaw Przedpelski, den Präsidenten des polnischen Volleyballverbandes (PZPS), sah der Terminkalender für den vergangenen Donnerstag einen mehr als nur angenehmen Pflichttermin vor. In Katowice, dem Mekka des polnischen Volleyballs, sollte sich Przedpelski und mit ihm der PZPS noch einmal im Glanz der jüngsten Erfolge sonnen. Bei einer Konferenz wollte man rückblicken auf die im September stattgefundene Weltmeisterschaft der Männer, mit der Polen als Gastgeber seinen Ruf als das »Volleyball-Paradies« eindrucksvoll unterstrich, die sportliche Leistung der Nationalmannschaft analysieren, die sich in der Heimat den Titel sicherte, und über die Vorbereitungen für die Europameisterschaft 2017 berichten. Dem jüngsten Coup des Verbandes, der sich im Oktober die Organisation des Turniers sicherte.

Doch aus der Veranstaltung voller selbstlobender Worte wurde nichts. Denn auf dem Weg in die oberschlesische Metropole wurde Przedpelski vom Zentralen-Antikorruptionsbüro verhaftet. Zeitgleich durchsuchte das CBA die Büroräume des Volleyballverbandes in Warschau und beschlagnahmte Computer sowie Verträge, die der PZPS für die Zeit der Volleyball-WM abgeschlossen hatte.

Im Laufe der darauffolgenden Tage veröffentlichten die Staatsanwaltschaft und das CBA weitere Details zu dem Fall. Demnach ermittelten die Behörden schon seit längerer Zeit gegen Przedpelski wegen möglicher Mauscheleien bei der Organisation der Weltmeisterschaft. Am Donnerstag hatten die Ermittler dann auch handfeste Beweise, als sie Zeuge wurden, wie Przedpelski von dem Besitzer einer Sicherheitsfirma, die seit 16 Jahren mit dem Verband zusammenarbeitet und auch während der WM zu den Geschäftspartnern des PZPS gehörte, eine Schmiergeldzahlung von 24 000 entgegennahm. Doch nicht nur Przedpelski war in diese Absprachen verwickelt, sondern auch sein Vize Artur Popka, der sich am Freitagmittag noch unschuldig gab. »Momentan möchte ich nichts kommentieren, weil wir einfach nicht wissen, was los ist. Wir sind total überrascht«, sagte dieser einem Journalisten der Gazeta Wyborcza. Wenige Stunden später saß auch er in der Untersuchungshaft, aus der er wie Przedpelski spätestens in drei Monaten entlassen wird. Wie am Samstag die Staatsanwaltschaft mitteilte, sollen beide Funktionäre von dem Inhaber der Sicherheitsfirma mit insgesamt 240 000 Euro bestochen worden sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass die polnische Justiz den PZPS im Zusammenhang mit der vergangenen Weltmeisterschaft ins Visier nimmt. Bereits 2012 durchsuchten CBA-Beamte die Büroräume des Verbandes. Unstimmigkeiten bei Marketingverträgen vermuteten damals die Ermittler. Beweise konnten sie jedoch nicht finden, was den Ruf des PZPS als unbestechlichen und sauberen Verband in der Öffentlichkeit nur stärkte. Doch nun haben ausgerechnet die höchsten Vertreter des PZPS für den aufsehenerregendsten Skandal der polnischen Sportgeschichte gesorgt. Noch nie mussten sich so ranghohe und langjährige Funktionäre wegen Korruption vor der Justiz verantworten.

Die Korruptionsskandal beschädigt jedoch nicht nur das Image des PZPS enorm, sondern erschüttert den polnischen Volleyballverband auch in seinen Strukturen. Miroslaw Przedpelski steht seit 2004 an der Spitze des Volleyballverbandes und ist mitverantwortlich für den Aufschwung, den der Volleyball in den vergangenen Jahren in Polen erlebte. Einen noch größeren Verdienst hat jedoch Artur Popka. Seit Mitte der 1990er Jahre ist er in unterschiedlichen Funktionen beim PZPS tätig und hat einen erheblichen Anteil an der Strukturreform und der Professionalisierung des polnischen Volleyballs. Ohne Popka, der auch Vorsitzender der Profiliga ist, würden der Verband und die beiden Ligen weder hohe TV-Gelder kassieren, noch einen scheinbar unerschöpflichen Pool an Sponsoren haben. Für viele war Artur Popka der große Lenker im Hintergrund, der den PZPS zu einem Verband machte, der mit einem genau so großen Budget arbeitet, wie der Fußballverband PZPN. Ob das auch nach dem Korruptionsskandal im polnischen Volleyball so sein wird, wird die Zukunft zeigen.

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