Virtuose der Publikumsbeschimpfung

Wolf Biermann als Stachel in der Elefantenhaut

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 7.5 Min.

Erregungen hat er immer produziert - nun bereits über ein halbes Jahrhundert lang. Das gehört zum Werk dieses Barden, der sich nicht damit begnügt, ein Werk zu schaffen - Lyrik ebenso von politischer wie menschlicher Intensität -, sondern darauf besteht, dieses auch noch selbst vorzutragen. Die Franzosen lieben ihren Serge Gainsbourg, die Russen ihren Wladimir Wyssozki. Wer die künstlerische Qualität dieser ekstatisch-heiseren Sprechgesänge in Frage zu stellen wagte, offenbarte sich selber als Banause. Unter uns biederen Deutschen ist das anders. Da stehen die Fragen von Gesinnung, von Parteidisziplin gar, jederzeit höher: Sag mir, wo du stehst! Wenn du nicht für uns bist, bist du gegen uns!

Von gelassenem Selbstbewusstsein zeugt das nicht - das belegen die Aufregungen um Wolf Biermanns Auftritt kürzlich im Bundestag, wo er - wie schrecklich! - die Linksfaktion beschimpfte. Nun ist jeder selbst dafür verantwortlich, wovon er s...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.

0
Beiträge gelesen

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und kaufe eine virtuelle Ausgabe des »nd«

0
Beiträge auf nd-aktuell gelesen

Hilf mit, die Seiten zu füllen!

Zahlungsmethode