»Die Feuerwehr lüftete die Diskothek«

Fröhliche Weihnachten, friedliches Fest? Von wegen! Die viel zu wenig beachtete Literaturgattung »Polizeimeldung« erzählt die ganze Geschichte. Eine Kurzkritik an sechs Beispielen.

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Verschiedene Spielarten des literarischen Realismus hat ausgezeichnet, dass sie sich einerseits starker Wirklichkeitsnähe verschrieben, dabei auf Abstraktion und Ästhetisierung verzichteten und zugleich aber die Realität nicht bloß beschreiben wollten, sondern auf künstlerische Wiedergabe setzten. Heute hat diese Kunstform ihren Ort in den Polizeimeldungen, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Über das Motiv können die Betroffen bisher nur spekulieren

Am Dienstagabend stellte ein Bewohner in der Kantstraße fest, dass seine Weihnachtsbeleuchtung im Garten nicht mehr funktionierte. Bei der Überprüfung entdeckte er das durchtrennte Stromkabel. Offensichtlich stört sich jemand an der Beleuchtung denn im Stadtgebiet wurden insgesamt über 20 gleichartige Sachbeschädigungen die letzten Wochen bekannt. Über das Motiv können die Betroffen bisher nur spekulieren. Die Ermittlungen führt das Polizeirevier Laupheim. (Polizeipräsidium Ulm, 24. Dezember, 19.24 Uhr)

In diesem Beispiel wird eindrucksvoll der Weg von der individuellen Vermutung zur subjektiven Erkenntnis beschrieben, ohne dass daraus schon ein kollektives Wissen über die Hintergründe entstanden wäre. So bleibt das Spekulative im doch Erkannten noch sichtbar. Auch kunstvoll eingesetzt: das Mittel der literarischen Übertreibung, das die Ablehnung von jeglicher Bel...


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