Das Geld, Gott der Waren

Die Debatte über die Abschaffung des Bargeldes hat viele Leerstellen. Und Lehrstellen: Sie fördert das Kapitalismusverständnis - und befähigt zu Kritik an den Verhältnissen

  • Von Ingo Stützle
  • Lesedauer: ca. 9.0 Min.

Um es kurz zu machen: Ja, es ist sinnvoll, Bargeld abzuschaffen. Schon aus hygienischen Gründen. Eine Untersuchung der New York University identifizierte etwa 3000 Bakterientypen allein auf einem US-Dollar-Schein - nur 20 Prozent der nichtmenschlichen DNA konnten genauer bestimmt werden. Und natürlich hat man auch Kokain gefunden.

Das alles haben die Ökonomen aber wohl kaum im Kopf, die in den letzten Wochen die Debatte darüber angeheizt haben, ob das Bargeld abgeschafft gehört. Das fordern etwa der ehemalige Chef-Ökonom des IWF Kenneth Rogoff und der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger - was zu Empörung und öffentlichen Bekenntnissen zu Bargeld führte, etwa von Bundesbankchef Jens Weidmann. Besonders die Deutschen scheinen am Bargeld zu hängen. Laut Umfragen sind Dreiviertel dagegen, Scheine und Münzen aus dem Verkehr zu ziehen.

Andere Länder sind in der Frage bereits weiter. Nicht nur in den USA, wo die bargeldlose Bez...


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