• Frauen-Geschichte(n)

Dimitrijewa

  • Von Sonja Striegnitz
  • Lesedauer: ca. 1.5 Min.
Sie war in den Tagen der Pariser Kommune eine Mitstreiterin von Louise Michel, der »roten Jungfrau vom Montmartre«: die Russin Jelisaweta Dmitrijewa (1851 bis vermutlich 1898). Ihr Vater war ein eigenwilliger und menschenverachtender Gutsbesitzer im Gouvernement Pskow, ihre Mutter eine mittellose, aber gebildete Frau. Der geistige Werdegang Jelisawetas verlief unter dem Einfluss der Romane von Nikolai Tschernyschewski und Iwan Turgenjew. Liberale und demokratische Journale wie »Russkoje Slowo« (Das russische Wort) und »Sowremennik« (Zeitgenosse) weckten ihr Interesse für das Leben des Volkes. In Scheinehe mit dem Obersten Tomanowski ging sie ins Ausland, um zu studieren. In Genf schloss sie sich der von Freunden Tschernyschewskis 1870 gegründeten Russischen Sektion der I. Internationale an und begab sich in deren Auftrag im Dezember 1870 zur »Berichterstattung« nach London, dem Sitz den Generalrats. Ein Empfehlungsschreiben an Marx bescheinigte der jungen Russin aufrichtige Ergebenheit für die »revolutionäre Sache in Russland«. Marx und seine Familie nahmen Jelisaweta freundlich auf, besonders eng freundete sie sich mit der ältesten Marx-Tochter Jenny an. Als sich im Frühjahr 1871 im von preußisch-deutschen Truppen belagerten Paris die Ereignisse überstürzten und Marx möglichst zuverlässige Informationen darüber haben wollte, entsandte er Jelisaweta dorthin. Von der Ausrufung der Kommune gleichsam mitgerissen, machte sie sich sofort nützlich, besonders für die Pariser Arbeiterinnen. Als eine der Gründerinnen des Zentralen Frauenkomitees leistete sie, unterstützt vom Rat der Kommune, Erstaunliches für deren Zusammenschluss, gehörte sie zu den bekanntesten und beliebtesten Rednerinnen auf vieltausendköpfigen Frauenversammlungen, ging sie - ihrem großen literarischen Vorbild Vera Pawlowna (aus dem Roman Tschernyschewskis »Was tun?«) folgend - an den Aufbau von Produktionsvereinigungen der Arbeiterinnen ... Die Russin Elisa (so ihr Pariser Pseudonym) nahm in einem Frauenbataillon bis zuletzt an der Verteidigung der Kommune teil, riss durch ihre Entschlossenheit andere mit. Verwundet konnte sie den triumphierenden »Versaillern« zunächst in die Schweiz entkomm...

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