Im natürlichen Albanien

Martin Leidenfrost suchte in Montenegro nach den Spuren eines Großmachttraums

  • Martin Leidenfrost
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Nun, da ich endlich mein Balkan-Notizheft wiedergefunden habe, wage ich über die großalbanische Idee zu schreiben. Ich ging ihr nicht in Mazedonien nach, nicht den 22 Gefallenen in Kumanovo. Ich ging ihr nicht in Serbien nach, nicht der Drohne mit Großalbanien-Fahne beim Länderspiel mit Albanien. Nicht in Kosovo mit seinen zur Zeit prügelnden albanischen Nationalisten. Nein, ich fuhr ins friedliche Montenegro. Fünf Prozent der Bürger Montenegros sind Albaner. In Montenegro ist die Aufregung vorwiegend medial, entfacht von einem alten Historiker oder Philosophen aus Albanien. Jener Koço Danaj, der bei keinen Wahlen antritt, behauptet, eine »Liste für ein natürliches Albanien« zu führen. Schon vor zwei Jahren kündigte er eine Agitationsfahrt nach Plav und Gusinje an, in ein kaltes, abgelegenes, mehrheitlich von slawischen Muslimen bewohntes Gebirgstal. Mir war unklar, ob Danaj dort jemals ankam.

Ich bin gern in Montenegro, weil es e...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.