Die Last des unerwünschten Erbes

Hitlers Geburtshaus in Braunau wartet noch immer auf eine angemessene Nutzung

Mit dem Geburtshaus Adolf Hitlers hat das österreichische Braunau ein schwieriges Erbe zu verwalten. Derzeit wird erneut um eine Nutzung des Gebäudes gerungen, es steht seit vier Jahren leer. Das österreichische Innenministerium zahlt der Hausbesitzerin monatlich 4800 Euro Miete. Man prüfe derzeit »alle Optionen« einer möglichen Nutzung, heißt es. Für Braunaus Bürgermeister Johannes Waidbacher ist zwar klar, »dass dieses Haus niemals eine Wallfahrtsstätte für Ewiggestrige werden darf«, doch wie es weitergehen soll, bleibt fraglich. Dabei liegt von Seiten des Politologen Andreas Maislinger schon seit Jahren ein Konzept als »Haus der Verantwortung« vor. Mit ihm, der auch Initiator der Braunauer Zeitgeschichtstage ist, sprach Rudolf Stumberger.

Welche Beziehung haben Sie zu Braunau am Inn?

Ich bin in der Nähe geboren, in St. Georgen. Das liegt genau zwischen Braunau am Inn und Salzburg. Ich habe schon als Kind gemerkt, wie Städte von Personen geprägt werden können. Mozart als der Inbegriff des Genies, des Schönen, des Guten. Und Hitler als das Gegenteil.

Und wie kam der Kontakt zu Hitlers Geburtshaus zustande?

Die intensivere Beschäftigung begann 1986. Ein Zeitungskommentator meinte damals, man solle wegen des Hitler-Hauses nicht nur jammern, sondern etwas tun. Diese Frage, was macht Braunau am Inn mit diesem Haus, hatte mich schon lange umgetrieben. Die Stadt wird ja international auf dieses eine Merkmal reduziert. Das gibt es sonst nirgends, nicht einmal in Dachau. Wir haben dann die Braunauer Zeitgeschichtstage ins Leben gerufen. Die erste Tagung stand unter dem Titel »Unerwünschtes Erbe«. Hitlers Geburtshaus ist ein unerwünschtes Erbe, für das man aber nich...


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