Rentner haben niemals Zeit

Sozialministerin Golze vergab Veltener Teller an zehn ehrenamtlich besonders engagierte Senioren

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.
Alte Menschen sind für die Gesellschaft keine Belastung. Im Gegenteil: Viele von ihnen leisten ehrenamtlich unverzichtbare Arbeit.

567 000 Senioren leben in Brandenburg. Sie stellen gegenwärtig 23 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2030 werden sogar mehr als ein Drittel der Brandenburger älter als 65 Jahre sein. Nach Ansicht von Sozialministerin Diana Golze (LINKE) sind die Alten »ein großer Schatz und keine Belastung«, denn sie können wertvolle ehrenamtliche Arbeit leisten und viele tun dies auch.

Am Donnerstag würdigte Golze im Potsdamer Sozialministerium zehn besonders engagierte Bürger der Jahrgänge 1931 bis 1944, indem sie ihnen Veltener Teller überreichte. Bei den Tellern handelt es sich um eine Art Obstschalen aus den berühmten Werkstätten der Keramikerin Hedwig Bollhagen (1907-2001). In den HB-Werkstätten in Marwitz hatten Bollhagen und die ebenfalls 2001 verstorbene Sozialministerin Regine Hildebrandt (SPD) einst bei einer Tasse Kaffee die Idee für diese Auszeichnung. Seit 1995 wurde sie jährlich vergeben - an inzwischen insgesamt 217 Senioren. Nachdem von der ersten Serie kein Stück mehr übrig war, sind neue Exemplare in einem neuen Design produziert worden.

Die vier Männer und sechs Frauen, die am Donnerstag je einen Veltener Teller und eine Blume überreicht bekamen, sind allesamt in verschiedenen Seniorenbeiräten aktiv. Doch damit nicht genug: Winfried Bohlen aus Döbern (Spree-Neiße) beispielsweise organisiert darüber hinaus in seinem Sportverein Wettkämpfe und Radwanderungen, betreut die Computerarbeitsplätze der Seniorengruppe in einer DRK-Begegnungsstätte, ist Mentor für zwei Kindergruppen im Hort und bemüht sich um regelmäßige persönliche Kontakte zu Senioren im Nachbarland Polen. Annemarie Hentschel aus Golm (Oder-Spree) betreute schon ältere Menschen, als sie selbst noch berufstätig war, und kümmert sich nun weiter um Ältere und Kranke. Heiner Roedel wirkt in seiner Heimatstadt Eberswalde uneigennützig mit am Runden Tisch für Rad- und Fußwegsanierung.

Die Vorsitzende des Landesseniorenbeirats, die frühere SPD-Landtagsabgeordnete Sieglinde Heppener, die bei der alljährlichen Auszeichnung immer dabei ist, erhielt diesmal selbst einen Veltener Teller.

Dass Senioren das gesellschaftliche Leben tatkräftig bereichern, ist Ministerin Golze bewusst. Erst am Mittwochabend sagte ihr der älteste Stadtverordnete von Rathenow, er habe eine lange Liste gehabt, was er als Rentner unternehmen wollte, und komme nun gar nicht dazu. »Rentner haben niemals Zeit«, hieß nicht von ungefähr eine beliebte Serie des DDR-Fernsehens. Helga Göring und Herbert Köfer spielten 1978 Oma und Opa Schmidt, die stets und gern helfen. »Meine Oma ist 94 Jahre alt geworden«, verriet Diana Golze bei der festlichen Verleihung der Teller und ließ dabei schmunzelnd durchblicken, sie habe sich vorgenommen, selbst sehr alt zu werden.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung