Das Kanzleramt: ein Nobelsanatorium

Christoph Marthaler inszenierte in Zürich Rossinis »Il Viggio a Reims«

  • Von Roberto Becker
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Sie wollen etwas und kriegen es nicht hin. Irgendwie fehlt was. Also widmen sie sich mit Hingabe ihren Macken und Vorlieben und der Pflege der Klischees vom jeweils Anderen. Das klingt nach dem »Projekt Europa« und seinem gegenwärtigen Zustand. Das klingt aber auch nach Rossinis »Reise nach Reims« von 1825. Da will eine illustre Gesellschaft zur Krönung von Karl X., bleibt aber im Gasthof zur »Goldenen Lilie« stecken, weil es plötzlich keine Pferde mehr gibt. Also wenden sie sich einander zu - und feiern trotzdem.

Bei Rossini ist das der gewitzte Rahmen, um in mehr als einem Dutzend Hauptrollen möglichst viele Sängerinnen und Sänger in Szene zu setzen. Dass er damit eine Steilvorlage für einen Regisseur wie Christoph Marthaler lieferte, sich mal aus der Perspektive der Schweizer Berge das Europa von der eher traurigen heutigen Gestalt vorzunehmen, konnte Rossini natürlich nicht wissen. Noch viel weniger erahnen konnte er, dass es dem k...


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