Hoffnung aus einer Niederlage?

Anna Seghers »Aufstand der Fischer von St. Barbara« (1928)

  • Von Horst Nalewski
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Man stelle sich vor: Die Verleihung des Kleist-Preises 1928 steht an. Zuvor hatten ihn Brecht, Döblin, Frank, Zuckmayer und Zweig erhalten. Dem Komitee, das eine Entscheidung herbeizuführen hat, steht in jenem Jahr der Schriftsteller Hans Henny Jahnn vor. Er hat zu wählen unter 800 Manuskripteinsendungen - und entscheidet sich für die Erzählung der in diesem Moment noch ganz unbekannten Anna Seghers: »Aufstand der Fischer von St. Barbara«, Gustav-Kiepenheuer-Verlag Potsdam, die erste Buchveröffentlichung der Autorin. Jahnns Begründung: »Ein gutes Buch mit knapper und sehr deutlicher Sprache, in dem auch die geringste Figur Leben gewinnt. In dem die Tendenz schwächer ist als die Kraft des Menschlichen. Es ist ein Daseinsvorgang in fast metaphysischer Verklärung. Das nenne ich Kunst.«

Der erste Abschnitt jener Erzählung berührt bis heute, da eine Polarität sich auftut, die nur die Kunst auszuhalten und weiterzureichen in der Lage is...


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