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Jüdische Filmwoche im Kino TONI 2021 - FILME GEGEN DAS VERGESSEN

Die diesjährige Jüdische Filmwoche im Kino Toni widmet sich dem Schwerpunkt jüdische Lebenswelten. Wir wollen aufzeigen, wie der Antisemitismus aufkam und sich zu einer Ideologie entwickelte, die den Völkermord an den europäischen Juden rechtfertigte, von breiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert oder sogar begrüßt wurde. Und wir wollen die Schicksale von Überlebenden vorstellen und ihren Umgang mit der schrecklichen Vergangenheit. Es wurden deutsche Filme aus mehreren Entstehungsjahren ausgewählt. So kann das Thema aus möglichst unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden. Mit Filmschaffenden und Experten wollen wir das Thema im Gespräch vertiefen.

Eine Veranstaltung von Friedrich-Wolf-Gesellschaft, Kino Toni und Tageszeitung nd – gefördert von BAUWERT AG, Sruel Prajs und Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Kurator und Moderator: Paul Werner Wagner
Eintritt: 9 €, ermäßigt: 7 €
Schülerveranstaltungen: frei
Ticketvorverkauf direkt im Kino und auf Kino-Toni.de

Levins Mühle (DEFA 1980, fa, 118 min)

Dienstag, 7. Dezember 18.00 Uhr

Regie: Horst Seemann, Drehbuch: Horst Seemann nach dem gleichnamigen Roman von Johannes Bobrowski, Kamera: Jürgen Kruse, Musik: Horst Seemann, Darsteller: Christian Grashof, Erwin Geschonneck, Katja Paryla, Fred Düren, Käthe Reichel, Ilonka Illewa, Peter Slabakov, Rolf Ludwig, Eberhard Esche, Kurt Böwe, Dieter Franke, Elsa Grube-Deister, Hans Teuscher, Leon Niemczyk, Herwart Grosse, Dieter Mann, Horst Schulze, Gerry Wolff, Rolf Hoppe

Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, in einem Dorf in Westpreußen. Dort leben Deutsche, Polen, Juden und Zigeuner. Der reiche deutsche Mühlenbesitzer Johann meint Sonderrechte zu haben. Der jüdische Bootsmüller Levin ist ihm ein Dorn im Auge. Er öffnet einfach das Wehr, sodass Levins Mühle weggeschwemmt wird. Die übrigen Dorfbewohner solidarisieren sich. Sie versuchen sich mit einer Klage vor Gericht zu wehren, ohne Erfolg. Die Klage wird abgewiesen, die Zigeuner werden verjagt, die polnischen Mühlenarbeiter entlassen, Josepha, die Predigersfrau, geht ins Wasser – zerbrochen an einer herzlosen Welt. Dennoch ist nicht alles beim Alten geblieben. Johann wird moralisch verurteilt. Der Aufenthalt im Dorf ist ihm verleidet. Er zieht weg in die Stadt. So ist sein Sieg auch eine Niederlage.

Gesprächspartner: Christian Grashof und Prof. Dr. Andreas F. Kelletat (Historiker)
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

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Die Unsichtbaren – wir wollen leben (D 2017, fa , 110 min)

Mittwoch, 8. Dezember 18.00 Uhr

Regie: Claus Räffle, Drehbuch: Claus Räffle, Alexandra Lopez, Kamera: Jörg Widmer, Musik: Matthias Klein, Darsteller: Max Mauff, Alice Dwyer, Florian Lukas, Aaron Altaras, Andreas Schmidt, Robert Hunger-Bühler, Lucas Reiber, Sergej Moya, Viktoria Schulz

Berlin 1943. Die Stadt ist von den Nazis als "judenfrei" eingestuft worden: Sämtliche Berliner Juden wurden ermordet oder in die Vernichtungslager deportiert. Tatsächlich aber halten sich noch 7000 Juden in Berlin auf. Auf unterschiedliche Weise versuchen sie, den Alltag zu meistern und der Entdeckung zu entgehen. Viele verstecken sich, andere gehen in den Untergrund, wieder andere tarnen sich als "Arier". Da ist Cioma, der sich mit dem Fälschen von Pässen über Wasser hält; Hanni, die ihre Haare blond färbt und hofft, nicht weiter aufzufallen. Eugen wiederum hat bei einer Familie Unterschlupf gefunden und versteckt sich bei drohender Gefahr im Kleiderschrank. Nachts nimmt er an Aktionen des Widerstands teil. Die Jüdin Ruth konnte sich als trauernde Kriegswitwe tarnen und arbeitet nun als Dienstmagd – bei einem NS-Offizier.
Gesprächspartner: Claus Räfle
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

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Lauf Junge, lauf (D 2013, fa, 107 min)

Donnerstag, 9. Dezember 18.00 Uhr

Regie: Pepe Danquart, Drehbuch: Heinrich Hadding, Kamera: Daniel Gottschalk, Musik: Stephane Moucha, Darsteller: Andrzei Tkacz, Kamil Tkacz, Elisabeth Duda, Itay Tiran,, Jeanette Hain, Lukasz Gaidzis

Polen, 1942: Der neunjährige Srulik kann aus dem Warschauer Ghetto flüchten und sich in den umliegenden Wäldern verstecken. Fast völlig auf sich allein gestellt, muss er lernen, in der Wildnis zu überleben. Doch mit Einbruch des Winters ist er angesichts der klirrenden Kälte gezwungen, den Wald zu verlassen. Eine Bäuerin gewährt dem jüdischen Jungen Unterschlupf und bringt ihm bei, sich als katholischer Waisenjunge auszugeben. Aber auch diese Tarnung hilft ihm nicht immer.Bis zum erlösenden Kriegsende trifft er neben hilfsbereiten Menschen auch solche, die ihn für ein Kopfgeld an die Deutschen verraten. Dennoch gelingt es Srulik, sich drei Jahre lang in einer feindlich gesinnten Umgebung durchzuschlagen. Mit dem Ende des Krieges ist seine Odyssee aber noch nicht vorbei.
Der Film basiert auf dem Roman von Uri Orlev, der darin die authentische Geschichte des Holocaust-Überlebenden Yoram Fridman verarbeitete. Beim Filmfestival Cottbus 2013 wurde der Film mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

„Ohne Pessimismus und Schönfärberei, aber mit großer erzählerischer Kraft und tiefer emotionaler Grundierung, zeichnet dieses erschütternde wie lebensbejahende Drama ein Kinderschicksal in einer unmenschlichen Zeit, weckt Gefühle, ohne in Gefühligkeit abzudriften.“ (Kino.de)

Gesprächspartner: Pepe Danquart
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

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Rabbi Wolff (D, fa, 94 min)

Freitag, 10. Dezember 18.00 Uhr

Buch und Regie: Britta Wauer, Kamera: Kaspar Köpke, Musik: Karim Sebastian Elias

Der Film zeigt den turbulenten Alltag des liberalen Rabbiners, der in seinem Glaubensauftrag zwischen London und seinen Gemeinden in Schwerin und Rostock pendelt. Neben seinem abwechslungsreichen Leben auf Reisen beleuchtet Regisseurin Britta Wauer die bewegte Vergangenheit William Wolffs und Begegnungen mit seinen orthodoxen Verwandten in Jerusalem. Wolff wurde 1927 in Berlin geboren und floh 1933 mit seinen Eltern und Geschwistern vor den Nationalsozialisten nach Amsterdam und von dort sechs Jahre später nach London. Sein Wunsch Rabbiner zu werden, blieb zunächst unerfüllt, da die Familie nach der Flucht nicht genügend Geld besaß, ihm ein Rabbinerseminar zu finanzieren. So entschied sich Wolff nach der Schule für eine Laufbahn als Journalist und begleitete als Parlamentsreporter drei Jahrzehnte lang das politische Weltgeschehen. Seinen alten Traum, Rabbiner zu werden, vergaß er aber nie. Noch mit 53 Jahren begann er eine Ausbildung und erhielt 1984 die Ordination zum Rabbiner. Mit 75 Jahren übernahm er 2002 das Amt des Landesrabbiners von Mecklenburg-Vorpommern. Seitdem betreute er die drei jüdischen Gemeinden in Schwerin, Rostock und Wismar. Die einjährige Filmdokumentation zeigt am Ende auch die Reflexionen Wolffs zur und nach Aufgabe seines Amtes.
Regisseurin Britta Wauer traf Rabbiner William Wolff das erste Mal 2008 auf der Suche nach einem Erzähler für ihren Dokumentarfilm Im Himmel, unter der Erde. Wolff sollte die Unterschiede zwischen christlichen und jüdischen Trauerritualen und die Vorstellungen vom Jenseits im Judentum vermitteln. Seine Beteiligung am Film erwies sich als „Glücksfall“.[4] Seine altersweise, charmante und gewitzte Art erreichte schnell das Herz der Zuschauer. Aufgrund dieser positiven Resonanz entschied sich Wauer, William Wolff einen eigenen Film zu widmen

Gesprächspartnerin: Britta Wauer
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

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Die Grünsteinvariante (D 1985, fa, 105 min)

Sonnabend, 11. Dezember 18.00 Uhr

Regie: Bernhard Wicki, Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase nach Geschichten von Ludwig Turek, Kamera: Edward Klosinski, Musik: Günther Fischer, Darsteller: Fred Düren, Jörg Gudzuhn, Klaus Schwarzkopf, Rolf Hoppe, Arno Wyzniewski

Paris, 1939: In einem Untersuchungsgefängnis sitzen drei Männer in Abschiebehaft. Ein deutscher Seemann namens Lodeck, ein griechischer Koch und der polnisch-jüdische Metzger Grünstein. Mit der täglichen Brotration formen sich die Männer, die sich trotz aller Unterschiede einander annähern, Schachfiguren. Erstaunlich schnell gelingt es dem genialen Anfänger Grünstein, den Schach-Profi Lodeck matt zu setzen. Seine "Grünstein- Variante" ist unschlagbar.
Der Film basiert auf dem Hörspiel von Wolfgang Kohlhaase. Regisseur Bernhard Wicki erhielt das Filmband in Gold 1985 für die beste Regie sowie den Kritikerpreis des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. „Eine atmosphärisch dichte, spannende und humorvolle Parabel über die Macht des Vergessens, praktizierte Solidarität unter Extrembedingungen und die Suche nach Lebenssinn; ausgezeichnet gespielt, mit hervorragender Kameraarbeit und intelligent-prägnanten Dialogen.“ – film-dienst

Gesprächspartner: Wolfgang Kohlhaase
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

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Herr Zwilling und Frau Zuckermann (D 1999, fa, 126 min)

Sonntag, 12. Dezember 11.00 Uhr

Drehbuch und Regie: Volker Koepp, Kamera: Thomas Plenert

Im Westen der Ukraine, unweit der Grenze zu Rumänien, eine entlegene europäische Stadt: Czernowitz. Einst Zentrum jüdischer Kultur in der Bukowina, einer Grenzlandschaft, die vom Vielvölkergemisch geprägt war. Es war eine Gegend, in der Menschen und Bücher lebten, sagte der Dichter Paul Celan über die versunkene Welt seiner Jugend, Im Mittelpunkt des Films stehen Herr Zwilling und Frau Zuckermann, die zu den letzten noch im alten Czernowitz geborenen Juden gehören. Beide verbindet neben ihrer Freundschaft nicht zuletzt die deutsche Sprache. Täglich besucht Herr Zwilling in den Abendstunden die 90jährige Frau Zuckermann. Man spricht über frühere Zeiten, das gemeinsam Erlebte, über Politik und Literatur und die alltäglichen Sorgen.

Gesprächspartner: Volker Koepp
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Infos zum Termin
07. Dezember 2021, 18:00 bis 12. Dezember 2021, 13:30 Uhr
Kino Toni
Antonplatz 1, 13086 Berlin
Der Termin wurde eingestellt von der Redaktion neues deutschland
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